Behandlung

Therapie der Wahl

Es gibt eine Reihe von etablierten und neuen Therapiemöglichkeiten. Laufend werden Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen der Therapien in klinischen Studien evaluiert.
Daraus ergeben sich neue Erkenntnisse, die Einfluss auf die Wahl der optimalen Therapie haben können.

Abhängig von der Lage des Tumors und dessen Stadium wird der Arzt individuell für jeden Patienten die beste Behandlungsstrategie wählen. In vielen Fällen wird zunächst eine Operation erfolgen. Es kann aber auch sein, dass zuerst mit einer medikamentösen Behandlung (Chemotherapie) und/oder Strahlentherapie begonnen wird.

Meinung des Arztes
Univ.-Prof. Dr. Gabriela Kornek

Ärztliche Direktorin des AKH Wien.
Foto: CCC/Fotografie Sabine Gruber

Darmkrebs ist immer dann heilbar, wenn er in einem frühen Stadium erkannt wird. Daher ist die Vorsorgekoloskopie die beste Methode Darmkrebs zu verhindern. Auch wenn Darmkrebs schon im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, sind durch die modernen Therapiemethoden die Heilungschancen deutlich gestiegen. So können heute ungefähr 30 % aller Patienten mit Lebermetastasen durch eine gezielte Chemotherapie und Operation geheilt werden, vor 10 Jahren hatte man mit der selben Diagnose eine Lebenserwartung von maximal einem Jahr.

Ohne vollständige Vorlage der Befunde kann man natürlich keine genauen Auskünfte darüber erteilen. Bei Vorliegen von Lymphknotenmetastasen ist eine dauerhafte Heilung eher nicht möglich, wohl kann aber mit Hilfe von Chemotherapie ein chronisches Krankheitsstadium herbeigeführt werden. Eine Operation von Lymphknotenmetastasen wird eher selten durchgeführt, da dies auch die Heilungschancen nicht wesentlich verändern kann. Eine Strahlentherapie sollte in Abhängigkeit der Befunde sicher mit den Ärzten besprochen und diskutiert werden.

Meinung des Arztes
Univ. Prof. Dr. Thomas Bauernhofer

Klinische Abteilung für Onkologie

Universitätsklinik für Innere Medizin

Medizinische Universität Graz

Im lokalisierten Stadium (auf die Darmwand beschränkte Tumore) ist die primäre Operation die wichtigste Maßnahme. Bei Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) kann bei Dickdarmwandüberschreitung vor der Operation eine präoperative Radiochemotherapie mit 5-FU oder Capazitabine angewendet werden, um den Tumor besser operabel zu machen. Im metastasierten Stadium ist die medikamentöse Therapie bestehend aus Chemotherapie (5-FU bzw. orale 5-FU Vorläufersubstanzen Capatitabine, Oxaliplatin oder Irinotecan-hältige Schemata) und neuerdings in Kombination zielgerichtete Substanzen (Anti-EGFR Antikörper Cetuximab und Panitumumab bei KRAS wild type Tumoren) oder tumorgefäßneubildung-hemmende Substanzen (Bevazicumab, Aflibercept) die wichtigste Behandlungsoption. Operationen und lokal ablative Verfahren (z.B. Radiofrequenzablation (RFA)) können in der interdisziplinären Therapie angewendet werden und bei Vorliegen von komplett operablen Metastasenlokalisationen auch zunehmend zu krankheitsfreiem Langzeitüberleben (Heilung) auch im metastasierten Stadium führen.

Personalisierte Therapie versucht Tumorcharakteristika des individuellen Patienten in die Behandlungsplanung und zielgerichtetem Einsatz von Medikamenten heranzuziehen. Ein Beispiel für personalisierte Therapie ist die Analyse des RAS-Mutationstatus im Tumor des jeweiligen Patienten. Bei RAS-Wildtyp können EGFR (Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor) zielgerichte Substanzen (Cetuximab, Panitumumab) zur Verbesserung der Chemotherapiewirkung bzw. als Monotherapie eingesetzt werden. Bei RAS-mutierten Tumoren hat diese EGFR zielgerichtete Therapie keine Wirkung bzw. kann sogar schaden.

Adjuvant heißt vorbeugend. Das Therapieziel ist die Gefahr eines Rückfalls nach kompletter Entfernung des Primärtumors und der regionären Lymphknoten zu verringern. Palliativ heißt lindernd. Das Therapieziel im Falle des Vorliegens von nicht operierbaren Fernmetastasen ist Tumorrückbildung, Verbesserung der Lebensqualität und Verlängerung des Überlebens.

Die Nebenwirkungen und deren Ausprägung hängen von den verabreichten Medikamenten und der jeweiligen Dosis ab. Mögliche Nebenwirkungen könnten u.a. Übelkeit und Erbrechen, Durchfälle und Haarausfall sein. Ob und über die Wahrscheinlichkeit, mit der die Nebenwirkungen bei Ihrer Behandlung auftreten könnten, wird Sie Ihr behandelnder Arzt informieren. Weiters wird er Sie über die vorbeugende Behandlung mit Begleitmedikamenten informieren. Mit den Begleitmedikamenten soll das Auftreten der Nebenwirkungen verhindert bzw. verringert werden.