Medikamentöse Therapie

Je nach Stadium der Erkrankung werden Darmkrebspatienten früher oder später mit einer medikamentösen Behandlung zu tun haben. Grundlage dafür ist, dass die verabreichten Medikamente schnell wachsende Krebszellen stärker angreifen als das gesunde Gewebe. Dadurch kann die Ausbreitung des Tumors unterbunden oder verlangsamt werden.

Diese Therapien haben damit im Laufe der letzten Jahre zu einer deutlichen Verlängerung der krankheitsfreien Zeit oder in Kombination mit einer Operation auch zur Heilung geführt.

 

Info

Abhängig von Ort und Stadium der Erkrankung gibt es verschiedene Kombinationen von sogenannten Zytostatika. Nach einem bestimmten Therapieschema verabreicht, zerstören sie schnell teilendes Tumorgewebe. Leider wird bei diesen Behandlungen oft auch normales Gewebe, das sich schnell erneuert (wie z.B. die Darm- oder Magenschleimhaut) angegriffen; dies ist die Ursache für die Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, etc.), die im Zuge einer Chemotherapie auftreten können.

Deshalb ist eine enge Kommunikation zwischen Arzt und Patient über die betreffenden Nebenwirkungen unter Chemotherapie notwendig, damit im Bedarfsfall Therapien besser abgestimmt oder verändert werden können. Ebenso kann das gezielte Management von Nebenwirkungen heutzutage die Lebensqualität während der Therapie deutlich verbessern.

Neue zielgerichtete Therapieformen (Antikörper) basieren auf der Bindung der Antikörper auf bestimmten Molekülen, die sich auf der Oberfläche von Krebszellen befinden oder im Blut zirkulieren. Diese Moleküle, die für das Tumorwachstum von Bedeutung sind, werden durch die Bindung der Antikörper gezielt blockiert. Zumeist wird die zielgerichtete Therapie mit der klassischen Chemotherapie kombiniert: Durch diese Kombination kann entweder die Ausbreitung des Tumors weiter verzögert werden und die Lebensqualität für den Patienten bleibt länger erhalten, oder es kann eine heilende Operation ermöglicht werden.

Referenz: Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF):S3 – Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 1.1, 2014, AWMF Registrierungsnummer: 021-007OL,[Stand: 3.10.2017]

 

In der Krebstherapie nutzt man die Eigenschaft von Antikörpern, bestimmte Strukturen gezielt zu erkennen und zu binden. Durch Bindung an bestimmte Moleküle auf der Oberfläche von Krebszellen oder an Signalstoffe im Blut können sie unterschiedliche Vorgänge, die für das Tumorwachstum von Bedeutung sind, blockieren.

Einer dieser Antikörper ist gegen den Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGF, aus dem Englischen: Epidermal Growth Factor) gerichtet. Solche EGF-Rezeptoren sind an der Entstehung und dem Fortschreiten vieler häufiger Krebserkrankungen, wie z.B Darmkrebs, Lungenkrebs oder Tumoren an Hals und Kopf beteiligt.

Der Antikörper besetzt den Rezeptor außen auf der Zelle und blockiert ihn. Der Wachstumsfaktor kann nicht mehr andocken und seine Botschaft übermitteln. Die Weiterleitung des Signals „Erhöhte Zellteilung! – Tumorwachstum!“ wird verhindert. Wachstum und Bildung von Absiedelungen des Tumors werden so vermindert. Zusätzlich werden die Abwehrmechanismen des körpereigenen Immunsystems angeregt und können ihrerseits Krebszellen erkennen und zerstören.

Der EGFR-Antikörper wird sowohl als Monotherapie (Behandlung mit nur einem Wirkstoff) als auch in Kombination mit Chemotherapie bei fortgeschrittenem Darmkrebs eingesetzt.

Der zweite Antikörper verhindert die Bildung neuer Blutgefäße im Tumor und seiner Umgebung. Um wachsen zu können benötigen die Darmkrebszellen Nährstoffe und Sauerstoff, welche sie über genau diese neu gebildeten Blutgefäße erhalten. Durch die Hemmung eines Signalstoffs (VEGF, aus dem Englischen: Vascular Endothelial Growth Factor), der verantwortlich für die Neubildung von Gefäßen ist, wird der Tumor von der Blutversorgung abgeschnitten. Die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen wird somit gestoppt und das Wachstum der Krebszellen gehemmt. Dieser VEGF-Antikörper wird zusammen mit einer Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs eingesetzt.

Grundlage zur Therapieentscheidung: Die RAS-Analyse

Jeder Tumor ist anders und kann anhand von seinen biologischen Eigenschaften beurteilt werden. Ein kürzlich identifizierter Biomarker, der einer solchen Klassifizierung dient, ist das RAS-Protein. Im Wachstumsprozess erhalten Zellen Signale von außen, die in der Zelle in einer Signalkette zum Zellkern weitergeleitet werden. Eine wichtige Station in dieser Kette ist das RAS-Protein, welches durch das RAS-Gen gesteuert wird. Liegt dieses Gen in einer „normalen“ Form vor, spricht man von einem RAS-Status Wildtyp. Tritt eine Änderung am Gen auf – eine sogenannte Mutation – liegt ein mutierter RAS-Status vor. Um diesen Status zu diagnostizieren, wird aus dem Tumor Zellmaterial entnommen und in einem auf solche Tests spezialisierten pathologischen Zentrum untersucht. Die Bestimmung des RAS-Status erfolgt idealerweise bereits unmittelbar nach der Diagnose oder ist innerhalb weniger Tage verfügbar. Abhängig vom RAS-Status werden verschiedene Therapien angewendet, die Ermittlung des RAS-Status dient zur Auswahl der passenden Antikörpertherapie. Sollte der Onkogen-Status nicht vorliegen, kann sofort mit der Chemotherapie begonnen werden und nach Vorliegen des RAS-Befundes über den zusätzlichen Einsatz einer passenden Antikörpertherapie entschieden werden, ohne dass sich dies ungünstig auf den Behandlungsverlauf auswirkt.

Verabreichung

Antikörper werden als intravenöse Infusion gegeben.

Nebenwirkungen

Bei der Antikörpertherapie handelt es sich um eine allgemein gut verträgliche Behandlung. Die Nebenwirkungen, die bei der Chemotherapie auftreten können, werden durch die Antikörpertherapie in der Regel nicht verstärkt.

Zwar richten die Antikörper ihre Hauptaktivität gegen Tumorzellen, sie wirken allerdings nicht zu 100 % spezifisch, denn ihre Angriffsziele kommen nicht ausschließlich auf Krebszellen vor, sondern in geringerem Maß auch auf normalen Zellen, weshalb es zu Nebenwirkungen kommen kann. Die unterschiedlichen Antikörper führen auch zu unterschiedlichen Nebenwirkungen.

Bei Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt!

Weiter zur begleitenden Therapie

Nach welchen Kriterien wird die Zusammensetzung der medikamentösen Behandlung festgelegt? Nach chirurgischer Entfernung des Karzinoms wird in Abhängigkeit von Risikofaktoren, vor allem Tumorbefall der mitresezierten Lymphknoten eine vorbeugende Chemotherapie für die Dauer von 6 Monaten durchgeführt. Diese kann das Auftreten von Metastasen verhindern und verbessert die Heilung. Häufig bestehen bei der Diagnose eines Darmkrebses Metastasen (ungefähr 25 % der Patienten) oder sie treten im Verlauf von mehreren Jahren nach der Erstbehandlung auf. Ihr behandelnder Onkologe erstellt für sie eine optimale Behandlung, basierend auf Ausdehnung der Erkrankung und spezifischen Tumoreigenschaften. Individualisierte Behandlungsstrategien, die neben medikamentösen u.a. auch chirurgische Interventionen umfassen, ermöglichen z.B. bei alleinigen Lebermetastasen eine Langzeitheilung. Jedenfalls kann bei einem hohen Prozentsatz der Patienten ein chronischer Erkrankungsverlauf erzielt werden, der sich bei guter Lebensqualität über Jahre erstrecken kann. Die heute zur Verfügung stehenden Maßnahmen sind äußerst wirksam und in Bezug auf Nebenwirkungen gut steuerbar. Durch Nichtinanspruchnahme medikamentöser Therapien ist der Erkrankungsverlauf ungünstiger. Stabile Krankheitsphasen ohne Behandlung sind selten und letztendlich kann eine suboptimale Therapie das Überleben verkürzen. Ohne Behandlung ist es sehr wahrscheinlich, dass der Tumor wächst und sich in anderen Teilen des Körpers ausbreitet. Wird der Krebs jedoch in einem frühen Stadium der Erkrankung erkannt und behandelt, bestehen gute Chancen auf eine Heilung.

Referenz: http://patient.info/health/bowel-colorectal-cancer abgerufen am 3.10.2017

Meinung des Arztes
Univ. Prof. Dr. Gabriela Kornek

Ärztliche Direktorin des AKH Wien.
Foto: CCC/Fotografie Sabine Gruber

Die Dauer der Behandlung selbst hängt davon ab, ob sie nach einer Operation durchgeführt wurde; dann dauert Sie in der Regel 6 Monate. Die Dauer der Zyklen hängt von der Art der Chemotherapie und der Immuntherapie ab und kann wöchentlich, alle zwei Wochen, alle drei Wochen oder monatlich erfolgen. Wenn die Tumorerkrankung nur mit Chemotherapie behandelt wird, kann die Chemotherapie auch über viele Monate bzw. Jahre gegeben werden.

Das Ziel einer palliativen Chemotherapie ist es, das Leben zu verlängern und bestehende Symptome zu lindern. Die Heilung ist in der Regel mit Hilfe einer palliativen Chemotherapie nicht möglich, jedoch kann die Tumorerkrankung in eine chronische Erkrankung übergeführt werden.

Es gibt neueste Erkenntnisse wonach Rauchen die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Chemotherapie negativ beeinflusst. Dies ist schon lange für das Rauchen während einer Strahlentherapie bekannt, wo auch die Nebenwirkungen durch Rauchen verstärkt werden können. Meine Antwort auf Ihre Frage lautet daher: Ja, Sie sollten das Rauchen aufgeben.

Es ist sogar empfohlen regelmäßig zu essen. Es gibt während der Chemotherapie keinerlei Einschränkungen bezüglich der Nahrungsaufnahme, Sie können gerne auch zum Essen ein Glas Wein trinken. Wenn die Chemotherapie abgeschlossen ist, sollten Sie jedoch eine „ausgewogene, gesunde“ Ernährung beachten.

Eine adjuvante Chemotherapie wird nach einer Operation durchgeführt und dauert in der Regel 6 Monate. Das Ziel ist, das Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Eine adjuvante Chemotherapie führt aber nicht zu einem 100-prozentigen Schutz vor Wiederauftreten der Erkrankung, aber die Mehrzahl der Patienten profitiert davon.
Eine neo-adjuvante Chemotherapie wird vor einer Operation oder Strahlentherapie durchgeführt und soll zu einer Verkleinerung des Tumors führen. Dadurch kann das Ausmaß der Operation verringert werden und der Arzt kann beurteilen, ob diese Therapie nach der Operation sinnvoll weiter gegeben werden kann.

Meinung des Arztes
Prof. Dr. Irene Kührer

Klinische Abteilung. f. Hämatologie und Onkologie 

Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH Wien

Die Entzündung der Mundschleimhaut ist eine Nebenwirkung der Chemotherapie. Man sollte das mit dem behandelnden Arzt besprechen, da eine Dosisreduktion beim nächsten Zyklus diese Entzündung verhindern kann. Unterstützend wirkt auch eine Mischung aus je 10gr Salbei, Thymian, Majoran, Rosmarin und Bohnenkraut. Dazu übergießt man 5 Teelöffel dieser Kräutermischung mit kochendem Wasser, fügt eine Zimtstange und 3 Gewürznelken bei und lässt diese Mischung 10 Minuten ziehen. Daraus kann man auch kleine (Party-) Eiswürfel herstellen und bei Entzündung im Mund lutschen. Das bringt rasche Erleichterung.
Auf keinen Fall sollte Kamillentee verwendet werden, dieser trocknet die Schleimhäute zusätzlich aus.

Das Sodbrennen nach der Chemotherapie gehört medikamentös mit sogenannten Protonen-Pumpen-Hemmern behandelt und ist Zeichen einer Magenentzündung. Mit milchhältigen Getränken aber auch Sojadrinks kann die Magensäure neutralisiert werden. Vermeiden Sie geröstete Produkte wie Semmelbrösel, Nüsse, Kaffee und wenn es in der Nacht ganz arg ist, schlafen Sie mit einem Polster zusätzlich.