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Antikörpertherapie
In der Krebstherapie nutzt man die Eigenschaft von Antikörpern, bestimmte Strukturen gezielt zu erkennen und zu binden. Durch Bindung an bestimmte Moleküle auf der Oberfläche von Krebszellen können sie unterschiedliche Vorgänge, die für das Tumorwachstum von Bedeutung sind, blockieren.
Wie Darmkrebs entsteht und wie der Wirkmechanismus der Antikörpertherapie funktioniert zeigt folgender Animationsfilm.
Video öffnen (Dauer: 5 Min., Größe: 20.3MB)
Welche Voraussetzungen für die Antikörpertherapie erforderlich sind und wie sie angewendet wird, erfahren Sie in diesem Video. Video öffnen (Dauer: 4,5 Min. Größe: 37 MB. Dieses Video stammt aus einer externen Quelle und steht daher nicht barrierefrei zur Verfügung)
Einer dieser Antikörper ist gegen den Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGF, aus dem Englischen „epidermal growth factor“) gerichtet. Solche EGF-Rezeptoren sind an der Entstehung und dem Fortschreiten vieler häufiger Krebserkrankungen, wie z.B Darmkrebs, Lungenkrebs oder Tumoren an Hals und Kopf beteiligt.
Der Antikörper besetzt den Rezeptor außen auf der Zelle und blockiert ihn. Der Wachstumsfaktor kann nicht mehr andocken und seine Botschaft übermitteln. Die Weiterleitung des Signals „Erhöhte Zellteilung! - Tumorwachstum!“ wird verhindert. Wachstum und Bildung von Absiedelungen des Tumors werden so vermindert. Zusätzlich werden die Abwehrmechanismen des körpereigenen Immunsystems angeregt und können ihrerseits Krebszellen erkennen und zerstören.
Der EGFR Antikörper wird sowohl als Monotherapie (Behandlung mit nur einem Wirkstoff) als auch in Kombination mit Chemotherapie eingesetzt, je nach Stadium der Erkrankung.
Der zweite Antikörper verhindert die Bildung neuer Blutgefäße im Tumor und seiner Umgebung. Dadurch wird die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen gestoppt und so das Wachstum der Krebszellen gehemmt. Dieses Medikament wird zusammen mit einer Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Dickdarm- und Enddarmkrebs angewendet.
Grundlage zur Therapieentscheidung: Die KRAS Analyse
Nach neuen Erkenntnissen ist es für die Therapiewahl entscheidend, vor Therapiebeginn ein weiteres Tumormerkmal zu bestimmen. KRAS ist ein kürzlich identifizierter Biomarker, der Auskunft darüber geben kann, ob ein Patient auf eine EGFR Antikörpertherapie beim metastasierten kolorektalen Karzinom anspricht oder nicht. Dazu muss das KRAS-Gen im Tumor getestet werden. Das kann entweder „normal“, nicht mutiert (Wildtyp) oder „abnormal“ mutiert, sein. Patienten mit KRAS „Wildtyp“ haben eine größere Chance von der EGFR-Antikörpertherapie zu profitieren. Damit ist die KRAS Untersuchung die Grundlage für eine optimale Therapie von Darmkrebs.
Tipp: Fragen Sie Ihren Arzt nach Ihrem KRAS Status!
Häufige Fragen
Wie funktioniert die Antikörpertherapie?
Antikörper können ganz unterschiedliche Vorgänge, die für das Tumorwachstum von Bedeutung sind, blockieren. Einige der neuen Antikörper greifen, dadurch dass sie bestimmte Moleküle auf der Oberfläche von Krebszellen binden, zum Beispiel direkt in das außer-Kontrolle-geratene Wachstum der Tumorzellen ein.
Auf der Oberfläche von menschlichen Zellen gibt es verschiedene Andockstellen für körpereigene Botenstoffe, die so genannten Rezeptoren. Man kann sich das Prinzip anhand des Vergleichs von Schlüssel und Schloss verdeutlichen: Die Schlüssel (die Botenstoffe) fügen sich passgenau in ihr Schloss ein (die speziellen Rezeptoren auf der Zelloberfläche). Durch das Andocken des Botenstoffes ("Schlüssels") an den Rezeptor ("Schloss") wird dieser aktiviert, wodurch Signale z.B. Wachstums- oder Zellteilungssignale in die Zelle weitergeleitet werden. Wachstumsfaktorrezeptoren sind also für die Weiterleitung von Wachstumsimpulsen in das Innere der Zelle zuständig.
Auch auf der Oberfläche vieler Tumorzellen gibt es Rezeptoren für körpereigene Wachstumsfaktoren. Diese Wachstumsfaktorrezeptoren der Krebszellen unterscheiden sich häufig von denen gesunder Zellen. Es können erheblich mehr Rezeptoren pro Zelle vorhanden sein (hier spricht man von "überexprimierten Rezeptoren") oder die Rezeptoren sind verändert, wodurch sie empfindlicher auf ihre Schlüssel, die Wachstumsfaktoren reagieren. In beiden Fällen wird das Wachstumssignal der Wachstumsfaktoren verstärkt in die Krebszelle weitergegeben. Der Tumor wächst.
Die Antikörper, die direkt in das Wachstum der Tumorzellen eingreifen, besetzen nun diese Rezeptoren auf der Oberfläche der Tumorzellen und sorgen so dafür, dass die Wachstumsfaktoren nicht andocken können und die Rezeptoren aktivieren. Auf diese Weise wird die Weiterleitung der Wachstumssignale ins Zellinnere unterbunden. Der Tumor hört auf zu wachsen. Man kann also sagen, dass diese Antikörper als "Krebswachstumsstopper" fungieren. Indem sie die Signalübermittlung blockieren, unterbinden sie biologische Prozesse im Körper, die zum Tumorwachstum führen. Durch diese Wirkungsweise verstärken Antikörper des Weiteren die Wirksamkeit von Chemotherapien und können Resistenzen gegen Chemotherapeutika aufheben. Daher werden Antikörper oft mit einer Chemotherapie kombiniert.
Wie wird die Antikörpertherapie verabreicht?
Antikörper werden als intravenöse Infusion gegeben.
Welche Nebenwirkungen können bei einer Antikörpertherapie auftreten?
Im Allgemeinen handelt es sich bei der Antikörpertherapie um eine hochwirksame und nebenwirkungsarme Behandlung. Da das zugrunde liegende Wirkprinzip ein anderes ist als bei einer Chemotherapie, verursacht sie auch sehr viel weniger schwerwiegende und andere Nebenwirkungen. Die Nebenwirkungen, die bei der Chemotherapie auftreten können, werden durch die Antikörpertherapie in der Regel nicht verstärkt.
Zwar richten die Antikörper ihre Hauptaktivität gegen Tumorzellen, sie wirken allerdings nicht zu 100% spezifisch, denn ihre Angriffsziele kommen nicht ausschließlich auf Krebszellen vor, sondern in geringerem Maß auch auf normalen Zellen. Aus diesem Grund verursacht die Antikörpertherapie also auch einige wenige Nebenwirkungen. Auch bestimmte, durch die Antikörpertherapie ausgelöste, Immunreaktionen des Körpers können zu Nebenwirkungen führen.
