Leben mit Krebs – praktische Aspekte

Info

Unabhängig vom Stadium der Erkrankung bestimmt die Diagnose fortan das tägliche Leben und wird ein Teil davon.

Dies mag oftmals kräfteraubend sein. In diesem Abschnitt ist es besonders wichtig, die Dinge langsamer anzugehen und den Lebensstil den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Bei belastenden Zuständen, so wie extremer Müdigkeit oder z.B. unklaren Schmerzen ist es immer wieder wichtig, den behandelnden Arzt zu kontaktieren.

Alles was der Seele gut tut, steigert das persönliche Wohlbefinden, und hilft somit, die aktuelle Lebenssituation zu meistern!

Neben der medizinischen Therapie kann auch die geeignete Ernährung einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung Ihrer Lebensqualität leisten. Manche Patienten haben während der Zeit Ihrer Therapie kaum Probleme und können ganz normal weiteressen. Es kann aber auch sein, dass Symptome auftreten, die Einschränkungen und Veränderungen beim Essen mit sich bringen. Aus diesem Grund ist eine individuelle Ernährungsberatung von Vorteil; diese wird in allen größeren Behandlungszentren angeboten.

Ernährung & Rezepte

Nährwertreiches Essen steigert Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft.
Gesundwerden und Kraft-Schöpfen – nutzen Sie Ihre inneren Energien und unterstützen Sie den Heilungsprozess. Sie können selbst aktiv werden, bei jeder Mahlzeit, mit jedem Bissen, bei jedem Schluck. Denn unsere Nahrung ist eine wichtige Quelle für neue Energien.

Essen während der Krebstherapie

Auch die neuen, sehr wirkungsvollen Therapien sind nicht frei von Nebenwirkungen. Häufig haben sie Begleitsymptome, die das Essverhalten beeinträchtigen. Aber mit der richtigen Ernährung, mit maßgeschneiderten Rezepten kann man sich trotzdem ausgewogen und vitaminreich ernähren.

Es gibt Studien die belegen, dass Bewegung und Sport bei Krebs die Immunabwehr stärken; ein direkter Einfluss auf die Rückfallhäufigkeit wurde jedoch nicht bewiesen.

Es gibt derzeit keine allgemein gültigen Empfehlungen zum Thema Sport und Bewegung während einer Krebstherapie.
Der jeweils behandelnde Arzt gibt gerne Auskunft darüber, welche und wie viel Bewegung in dieser besonderen Situation gut ist.

Aktives Fragen ist wiederum sehr wichtig. In manchen österreichischen Krankenhäusern gibt es auch spezielle Ansprechpartner zu diesem Thema.

Reisen können nach Absprache mit dem behandelnden Arzt genauso durchgeführt werden wie andere Freizeitaktivitäten. Wichtig ist, sich selbst nicht zu überfordern, die Vorbereitungen ausreichend zu planen (Medikation, ärztliche Versorgung und Ruhepausen einplanen).
Eine Versicherung mit möglicher Rückholung ist ebenso wichtig wie das Abklären des dem Urlaubsziel am nächsten liegenden Krankenhauses, Hinterlassen von Kontaktadressen, etc.

Meinung des Arztes
Prof. Dr. Irene Kührer

Klinische Abteilung. f. Hämatologie und Onkologie
Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH Wien

Bei Darmkrebserkrankungen unterscheidet man ein sogenanntes sporadisches Auftreten von einem familiär gehäuften Krebsrisiko. Besonders bei einem Erkrankungsalter unter 40 Jahren muss eine genetische Veranlagung in einem Beratungszentrum abgeklärt werden. Wenn nur ein Familienmitglied erkrankt ist, müssen Sie kein erhöhtes Krebsrisiko befürchten. Dennoch ist eine Ernährung mit einem geringeren Anteil an tierischen Fetten, welche z.B. in Wurstprodukten und Schweinefleisch versteckt sind, zu bevorzugen. Ernähren Sie sich obst- und gemüsereich, das schützt nicht nur vor Krebs, sondern hält auch Ihre Gefäße jung und damit schützen Sie sich auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Bestrahlung bei Enddarmkrebs kann besonders gegen Ende der Bestrahlungsserie zum Auftreten von Durchfall führen. Informieren Sie den behandelnden Strahlentherapeuten. Neben einer medikamentösen Therapie sollten Sie jetzt Milchprodukte aus dem Speiseplan vorübergehend weglassen. Klare Suppen, mit fein geschnittenem Gemüse, kurz gegart, gleichen den Elektrolyt-Haushalt aus und versorgen den Körper mit ausreichend Flüssigkeit. Diese Nebenwirkung der Strahlentherapie wird aber nach der Beendigung bald abklingen.

Mit den modernen Operationstechniken können Sie bereits im Spital mit einer leichten Aufbaukost beginnen. Wenn Sie dann zu Hause sind, entwickeln Sie sich zum gesunden Egoisten und teilen Sie Ihre Umgebung zum Einkaufen und Kochen ein, damit Sie Ihre Kraft auf den Genesungsprozess konzentrieren. In den ersten Wochen nach der Operation kann es noch zu häufigem Stuhlgang kommen. Sie sollten sich daher nicht zu sehr mit Ballaststoffen belasten. Leicht verdauliche cremige Suppen, Nudelgerichte und Aufläufe sind genau das Richtige, um Ihre Kraft zurückzubringen.

Die Appetitlosigkeit ist ein Hauptproblem bei vielen Krebspatienten. Dabei wäre es so wichtig, das Körpergewicht zu stabilisieren. Mit der Erhöhung des Fettanteiles in Ihrer Nahrung können Sie die Kalorienaufnahme auch bei kleinen Portionen steigern. Die Angst vor dem Fett ist unbegründet. Wie Sie diese theoretische Empfehlung praktisch umsetzen, können Sie z. B. den Rezepten aus dem Buch „Essenslust stärkt Lebenskraft – Richtige Ernährung bei Darmkrebs“ entnehmen. Die rasch zubereiteten Gerichte sind auch für unerfahrene (männliche) Köche leicht zu schaffen. Weitere Anregungen finden Sie unter „Ernährung und Rezepte“ auf der rechten Seite dieser Homepage im Service-Bereich.

Eine Krebserkrankung stellt einen tiefen psychischen Einschnitt bei jedem Betroffenen dar. Sie sollten professionelle Hilfe eines Psychotherapeuten oder Paartherapeuten in Anspruch nehmen. Natürlich kann es sein, dass eine betroffene Person ihre Krebserkrankung noch nicht überwunden hat. Auf der anderen Seite gibt es viele andere Ursachen, um depressiv und antriebslos auf seine Umwelt zu reagieren. Man könnte vorübergehend auch eine medikamentöse Therapie in Anspruch nehmen (nach Absprache mit dem Arzt), um Stimmung und Antrieb zu verbessern. In jedem Fall sollte man einen Spezialisten aufsuchen.

Eine ausgewogene Ernährung, reich an Gemüse und Obst, stärkt das Immunsystem. Die Farben der Natur stehen für verschiedene Stimulationseffekte des Immunsystems. Nehmen Sie daher etwas Gelbes, Grünes und Violettes, dazu noch die Farbe Rot und Weiß (Knoblauch und Zwiebel). Es gibt viele Studien, die eine unterstützende Wirkung der Ernährung zeigen, sie kann jedoch nicht die Wirksamkeit einer Chemotherapie ersetzen. Dies gilt auch für die verschiedenen Fachbereiche der traditionellen chinesischen Medizin.

Sojaprodukte wie Sojadrinks, Sojajoghurt und Tofu gehören zu den besonders bekömmlichen Lebensmitteln. Sojaprodukte können über verschiedene Mechanismen die Krebserkrankung beeinflussen. Im Fall von Darmkrebs über den Vitamin-D-Spiegel. Man kann in den täglichen Speiseplan einen 1/4 Liter Sojajoghurt einbauen, wie z.B. in Salatdressings oder in Früchtedrinks. Eine einseitige Soja-Ernährung kann aber keine medizinische Behandlung ersetzen.

Das Wichtigste bei einem künstlichen Darmausgang ist, mit allen Stomaprodukten vertraut zu sein. In allen großen Zentren, die Darmkrebsoperationen durchführen, gibt es speziell geschulte Stomaschwestern/-Pfleger. Sie sind mit den neuesten Produkten vertraut. Natürlich kann man mit einem Stoma Sport betreiben. Selbst Schwimmen ist möglich. Über die Selbsthilfegruppe sind Kontaktadressen erhältlich.

Flüssigkeit und Ballaststoffe sind die Voraussetzung für eine geregelte Darmtätigkeit. Allerdings wird die Menge an Ballaststoffen oft unterschätzt. 250gr Obst und 350gr Gemüse bringen den notwendigen Ballaststoff-Anteil. Auch körperliche Bewegung ist für die Darmtätigkeit wichtig. Ein Glas lauwarmes Wasser mit 2 Esslöffel Apfelessig in der Früh getrunken ist ein altes Hausmittel. Natürlich darf man auf die jährliche Kontroll-Darmspiegelung nicht verzichten.

Lebensqualität steht im Mittelpunkt nach einer Krebserkrankung. Ein Glas Wein bzw. Bier oder z.B. Sherry wirken appetitanregend. Gegen Alkohol in kleinen Dosen ist nichts einzuwenden. Allerdings sollte man es nicht als Entspannungsmittel einsetzen. Vielleicht wären hier andere Entspannungsmethoden wie z.B. Yoga oder eine Gesprächstherapie oder nur die Kontaktaufnahme mit einer Selbsthilfe-Gruppe empfehlenswert.

Meinung des Arztes
Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Klinische Abteilung für Palliativmedizin
Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH Wien

Alternativmedizinische Maßnahmen sind Teil der Palliativmedizin und der Onkologie an sich, da ja die Mehrzahl von Patienten mit Krebserkrankungen alternativmedizinische Therapien durchführt. Wichtig dabei ist, dass nicht zu viele Maßnahmen gleichzeitig versucht werden. Am allerwichtigsten ist aber, dass diese Maßnahmen in keinem Fall zu einer zusätzlichen Belastung des Patienten führen. In der Palliativmedizin ist das oberste Gebot alles, was die Lebensqualität des Patienten verschlechtert, auch wenn es gut gemeint und nur kurzfristig sein sollte, zu vermeiden. An unserer Station stehen wir diesen Maßnahmen offen gegenüber und beraten die Patienten auch hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen. Prinzipiell ist in diesem Krankheitsstadium alles was dem Patienten hilft (und ihm nicht schadet) willkommen, auch wenn es im schulmedizinischen Sinn nicht als wirksame Therapie eingestuft wird.

Es ist in großen Studien bewiesen, dass ein Glaube, der dem Leben und der Krankheitssituation Sinn geben kann, in der Lage ist, die Lebensqualität von Krebspatienten zu verbessern. Patienten, die einen Sinn im Leben erkennen, bewältigen die Krankheitssituation besser und sind von Symptomen der Erkrankung wie etwa Schmerzen weniger stark betroffen. Es ist deshalb unsere Bestrebung, allen unseren Patienten eine spirituelle Begleitung anzubieten.

Das Hospiz Rennweg ist eines der ältesten Hospize in Wien und hat einen ausgezeichneten Ruf. Um im Hospiz untergebracht zu werden, setzen Sie sich direkt mit ihm in Verbindung. Die Telefonnummer lautet: 01/71753-3220. www.cs.or.at

Für weitere Informationen steht Ihnen auch der onkologische Telefondienst der Selbsthilfegruppe Darmkrebs jeden Mittwoch von 16:00 – 17:00 Uhr unter 0699 10 08 47 82 zur Verfügung.

Man kann heute Schmerzen so behandeln, dass man tatsächlich schmerzfrei wird. Bei vielen Patienten bleibt noch ein geringer Restschmerz. Sie geben an, dass sie auf einer Schmerzskala von 0 (=keine Schmerzen) bis 10 (= maximaler Schmerz) bei etwa 1 bis 2 liegen. Das beeinträchtigt sie allerdings im täglichen Leben und in ihrer Lebensqualität nicht.

In Österreich kann jeder Patient zu jedem Zeitpunkt jede Behandlung ablehnen. Er muss deshalb trotzdem von den ihn betreuenden Ärzten weiter versorgt werden. Für den Fall einer möglichen Bewusstlosigkeit und der Unfähigkeit, dann Entscheidungen zu treffen, kann man vorsorgen, indem man eine Patientenverfügung ausstellt. Dabei teilen Sie einem Arzt die Maßnahmen mit, die Sie im Falle einer Bewusstlosigkeit ablehnen würden (z.B. Wiederbelegung). Das wird niedergeschrieben und von einem Notar bestätigt und ist dann für die Ärzte absolut bindend. Sie können aber auch einer Person Ihres Vertrauens eine sogenannte Vorsorge-Vollmacht ausstellen, in der Sie diese Person berechtigen, in Ihrem Namen medizinische Entscheidungen zu treffen.

Im Wesentlichen werden auf der Palliativstation im AKH Patienten, die bereits im AKH behandelt werden, weiter betreut. Sie müssten mit Ihrem Arzt besprechen, wo eine Palliativversorgung in Ihrer Nähe möglich ist. Alternativ könnte eine Zuweisung nur über eine Vorstellung in der Onkologischen Ambulanz des AKH erfolgen.

Der Appetitverlust ist ein großes praktisches Problem. Der Krebs bewirkt, dass der Erkrankte keinen Appetit mehr verspürt. Er bewirkt weiters, dass auch die Nahrung, die der Patient zu sich nimmt, nicht aufgenommen und auch vom Körper nicht umgesetzt werden kann. Man sollte versuchen, nur das zu kochen, was dem Patienten schmeckt und nicht das, was gemeinhin als gesund bezeichnet wird. Kleine Portionen sind sicherlich vorteilhaft. Wichtig ist weiters, dass auf den Patienten kein Druck ausgeübt werden soll, unbedingt zu essen. In dieser Situation verlängert eine Nahrungsaufnahme das Leben nicht und verbessert auch nicht die Lebensqualität. Die meisten Patienten trinken ohnehin ausreichend, was viel entscheidender ist.

Ja, wir bieten spirituelle Begleitung an. Die WHO-Definition der Palliativbetreuung beinhaltet die spirituelle Begleitung in der entsprechenden Glaubensrichtung.

Viele Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung leiden an einer durch den Krebs verursachten Depression, die sich in einem Unwillen, weiter leben zu wollen, äußern kann. Depression zeigt sich auch darin, dass diese Patienten ständig an ihre Erkrankung denken müssen und es zu einer Einengung der Gedankenwelt kommt. In dieser Situation gibt es Medikamente, die bewirken, dass die Gedanken wieder freier werden, dass der Patient dadurch auch wieder froher wird. Ich würde dringend raten, einen Arzt aufzusuchen, der derartige Medikamente verschreibt.

Wir behandeln mit Ausnahme von Kindern (die im St. Anna Kinderspital behandelt werden) Patienten aller Altersstufen. Weil die Krebserkrankungen aber vorwiegend bei älteren Menschen auftreten, behandeln wir wesentlich seltener junge Menschen. Die haben allerdings häufig einen sehr dramatischen Krankheitsverlauf und stellen für das Palliativ-Team sicherlich eine Herausforderung dar.