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Ein Onkologe, eine Psychoonkologin und ein Rechtsanwalt beantworten Ihre Fragen. Ein Service der Selbsthilfegruppe Darmkrebs.
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Der ExpertInnen-Chat bietet allen Interessierten die Möglichkeit, Fragen rund um das Thema Darmkrebs zu stellen.
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Chat-Nachlese: Prof. Dr. Irene Kührer
Am 23. Juni beantwortete Frau Prof. Dr. Irene Kührer, Fachärztin für Hämatologie und Onkologie an der Universitätsklinik Wien, AKH, Ihre Fragen rund um das Thema Darmkrebs und Ernährung.
Prof. Dr. Irene Kührer – Kurzportrait
Frau Prof. Dr. Irene Kührer is Fachärztin für Hämatologie und Onkologie an der Universitätsklinik Wien, AKH.
Sie hat langjährige Erfahrung in der Betreuung chronisch Kranker und insbesondere Krebskranker gesammelt. Begleitend hierzu hat sie eine Ausbildung in Schmerztherapie, Palliativ- und Ernährungsmedizin.
Frau Prof. Dr. Irene Kührer ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften und Vortragende auf internationalen Kongressen. Sie ist Autorin mehrerer Bücher zum Thema Ernährung.
Ihr wissenschaflicher Schwerpunkt liegt in der Erforschung der Wirkungsweise von Ernährungsmedizin und deren Zusammenwirken mit den konventionellen Methoden der Chemo- und Strahlentherapie sowie der modernen Immun-und molekularen Therapie.
Frau Prof. Kührer ist Generalsekretärin der EFR - European Federation for ColoRectal Cancer, einer internationalen Plattform zu Erforschung der Dickdarmkrebses.
Kontakt: irene.kuehrer@meduniwien.ac.at
Webseite: www.irenekuehrer.at
Frau Prof. Dr. Kührer, herzlichen Dank für Ihre Expertise und Ihr Engagement für die BesucherInnen von DARMKREBS.AT. Herzlichen Dank auch an alle BesucherInnen von DARMKREBS.AT, die durch Ihre Fragen aktiv am ExpertInnen-Chat teilgenommen haben.
ExpertInnen-Chat
23.06.2009 - Frage von P. K.
Bei meiner Mutter, die 69 Jahre alt ist, wurde kürzlich ein Rektumkrebs diagnostiziert. Mein Großvater ist an dieser Krankheit gestorben. Ich bin 34 Jahre alt und habe Angst, dass ich auch einen Darmkrebs bekomme. Worauf soll ich bei der Ernährung besonders achten?
23.06.2009 - Frage von Nikola L.
Mein Mann, 54, muss wegen eines Dickdarmkarzinoms gerade eine Strahlentherapie machen. Jetzt leidet er unter Durchfall. Kann ich ihm mit einer speziellen Ernährung helfen? Soll ich biologische Zutaten verwenden?
Antwort von Prof. Dr. Irene Kührer
Bei der Bestrahlung bei Enddarmkrebs kann es besonders gegen Ende der Bestrahlungsserie zum Auftreten von Durchfall kommen. Informieren Sie den behandelnden Strahlentherapeuten. Neben einer medikamentösen Therapie sollten Sie jetzt Milchprodukte aus dem Speiseplan vorübergehend weglassen. Klare Suppen, mit fein geschnittenem Gemüse, kurz gegart, gleichen den Elektrolyt-Haushalt aus und versorgen den Körper mit ausreichend Flüssigkeit. Diese Nebenwirkung der Strahlentherapie wird aber nach der Beendigung bald abklingen.
23.06.2009 - Frage von Susanne
Ich bin vor 2 Jahren wegen Darmkrebs operiert worden. Jetzt muss ich immer wieder zur Kontrolle ins Krankenhaus gehen. Schon wenn ich an diesen Tag denke, überfällt mich starke Übelkeit und ich muss erbrechen. Medikamente haben bei mir nichts genützt. Haben Sie eine Idee, was ich dagegen unternehmen könnte?
Antwort von Prof. Dr. Irene Kührer
Die Mediziner haben für Ihre Übelkeit einen unaussprechlichen Namen: Antizipatorische Übelkeit und Erbrechen. Dagegen helfen keine Medikamente sondern nur ein Verhaltens-Training. Versuchen Sie sich genau die Umgebung des Warteraumes vorzustellen. Wenn Sie Übelkeit verspüren, versuchen Sie es mit Ihrer Lieblingsmusik. Hören Sie Ihr Lieblingsstück und atmen Sie regelmäßig. Zusätzlich massieren Sie sich mit beiden Händen unterhalb des Schlüsselbeins, links und rechts vom Brustbein. Vergessen Sie nicht dabei zu atmen. Durch diese Übung werden Sie sich aktiv entspannen und das nächste Mal, wenn Sie zu einer Kontrolle gehen und Ihnen bestätigt wird dass Sie GESUND sind, wir es Ihnen leichter fallen.
23.06.2009 - Frage von Herbert L.
Wissen Sie, ob es irgendwo eine Möglichkeit gibt, z.B. in einer Selbsthilfegruppe, Tipps für die richtige Ernährung bei Darmkrebs in der Praxis auszuprobieren?
Antwort von Prof. Dr. Irene Kührer
Ab September dieses Jahres sind Kochseminare zu diesem Thema geplant. Werfen Sie immer wieder einen Blick auf die Homepage, um sich über aktuelle Termine zu informieren. Es ist vorgesehen, dass Sie sich auf dieser Homepage dafür anmelden können.
23.06.2009 - Frage von Yvon St.
Ich bin vor zwei Wochen mit der Diagnose Dickdarmkrebs konfrontiert worden. Obwohl ich, glaube ich, in guten Händen bin, möchte ich Sie als Krebs - und Ernährungsspezialistin fragen ob ich nach der Operation gleich mit einem bestimmten Ernährungsprogramm beginnen soll?
Antwort von Prof. Dr. Irene Kührer
Mit den modernen Operationstechniken können Sie bereits im Spital mit einer leichten Aufbaukost beginnen. Wenn Sie dann nach Hause gekommen sind, entwickeln Sie sich zum gesunden Egoisten und teilen Sie Ihre Umgebung zum Einkaufen und Kochen ein, damit Sie Ihre Kraft auf den Genesungsprozess konzentrieren. In den ersten Wochen nach der Operation kann es noch zu häufigem Stuhlgang kommen. Sie sollten sich daher nicht zu sehr mit Ballaststoffen belasten. Leicht verdauliche cremige Suppen, Nudelgerichte und Aufläufe sind genau das Richtige, um Ihre Kraft zurück zu bringen.
23.06.2009 - Frage von Fritz
Ich bin 59 Jahre alt, habe Dickdarmkrebs, der schon fortgeschritten ist (Metastasen in der Leber) und möchte Sie fragen, ob Sie glauben, dass auch in meiner Situation die Nahrungszusammenstellung eine Rolle spielt. Mein grösstes Problem ist, dass ich keinen Appetit habe.
Antwort von Prof. Dr. Irene Kührer
Die Appetitlosigkeit ist ein Hauptproblem bei vielen Krebspatienten. Dabei wäre es so wichtig, das Körpergewicht zu stabilisieren. Mit der Erhöhung des Fettanteiles in Ihrer Nahrung, können Sie die Kalorienaufnahme auch bei kleinen Portionen steigern. Die Angst vor dem Fett ist unbegründet. Wie Sie diese theoretische Empfehlung praktisch umsetzen können, entnehmen Sie den Rezepten aus dem Buch "Essenslust stärkt Lebenskraft - Richtige Ernährung bei Darmkrebs". Die rasch zubereiteten Gerichte sind auch für unerfahrene männliche Köche leicht zu schaffen. Weitere Anregungen finden Sie unter "Ernährung und Rezepte" auf der rechten Seite dieser Homepage im Service-Bereich.

Antwort von Prof. Dr. Irene Kührer
Bei Darmkrebserkrankungen unterscheidet man ein sogenanntes sporadisches Auftreten von einem familiär gehäuften Krebsrisiko. Besonders bei einem Erkrankungsalter unter 40 Jahren muss eine genetische Veranlagung in einem Beratungszentrum abgeklärt werden. Wenn Ihre Mutter die einzig Erkrankte in Ihrer Familie ist, müssen Sie kein erhöhtes Krebsrisiko befürchten. Dennoch ist eine Ernährung mit einem geringeren Anteil an tierischen Fetten, welche z.B. in Wurstprodukten und Schweinefleisch versteckt sind, zu bevorzugen. Ernähren Sie sich obst- und gemüsereich, das schützt nicht nur vor Krebs, sondern hält auch Ihre Gefäße jung und damit schützen Sie sich auch vor Herz- Kreislauf-Erkrankungen.