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Chat-Nachlese: Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Bild von Univ. Prof. Dr. Herbert WatzkeAm 15. Oktober beantwortete Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke, Leiter der Palliativstation am AKH Wien, Ihre Fragen zu Schmerzbehandlung, Ernährung, Schlaf, Mobilität, soziales Umfeld, Hospizdienste, Selbstbestimmungsrecht u.v.m.

 

Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke – Kurzportrait

Dr. Herbert Watzke, Universitätsprofessor für Palliativmedizin, leitet seit 2001 die Palliativstation am AKH Wien und unterrichtet an der Medizinischen Universität Wien. Er ist unter anderem Vorstandsmitglied der Österreichischen Palliativgesellschaft und Koordinator der Austrian Palliative Care Study Group, die Studien zum Thema Palliativmedizin an den österreichischen Palliativstationen durchführt.

Herr Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Hämatologie und Onkologie. Er ist Autor zahlreicher national und international veröffentlichter wissenschaftlicher Publikationen auf dem Gebiet der Inneren Medizin und der Palliativmedizin.

Kontakt: herbert.watzke@meduniwien.ac.at

detaillierter Lebenslauf von Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke (.pdf, 120K)
Dieses pdf ist barrierefrei.

Herr Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke, herzlichen Dank für Ihre Expertise und Ihr Engagement für die BesucherInnen von DARMKREBS.AT. Herzlichen Dank auch an alle BesucherInnen von DARMKREBS.AT, die durch Ihre Fragen aktiv am ExpertInnen-Chat teilgenommen haben.

ExpertInnen-Chat

Fragen 1 bis 6 von 19
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15.10.2008 - Frage von Fritz W.

Ich glaube, dass mein Vater ganz genau weiss, dass er bald sterben muss. Die ganze Familie tut aber so, als ob er demnächst wieder vom Krankenbett aufstehen würde. Ich glaube, dass diese Situation für ihn sehr belastend ist. Was sagen Sie dazu?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Diese Situation ist sicher sowohl für Ihren Vater als auch für die gesamte Familie sehr belastend. Das Ziel sollte sein, dass ein ehrlicher Umgang mit der Erkrankung innerhalb der Familie entsteht. Wir sprechen deshalb zuerst mit dem Patienten, loten dabei aus, was er über seine Erkrankung und seine Prognose weiß, und führen ihn dann an die Realität heran. Es wird dann mit dem Patienten besprochen, dass es günstig wäre, auch die Familienangehörigen auf den selben Stand des Wissens zu bringen. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich dann der Umgang der Familienmitglieder untereinander entspannt. Die Lebensqualität des Patienten als auch die der Angehörigen wird dadurch deutlich verbessert.

15.10.2008 - Frage von Herbert N.

Meine Frau wird zusehends „lebensunwilliger“ (sie leidet an fortgeschrittenem DK). Unser praktischer Arzt verschreibt ihr nichts für das Gemüt. Gibt es Medikamente, die ihr helfen könnten wieder etwas froher zu werden?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Viele Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung leiden an einer durch den Krebs verursachten Depression, die sich in einem Unwillen weiter leben zu wollen äußern kann. Depression zeigt sich auch darin, dass diese Patienten ständig an ihre Erkrankung denken müssen und es zu einer Einengung der Gedankenwelt kommt. In dieser Situation gibt es Medikamente, die bewirken, dass die Gedanken wieder freier werden, dass der Patient dadurch auch wieder froher wird. Ich würde dringend raten, einen Arzt aufzusuchen, der derartige Medikamente verschreibt.

15.10.2008 - Frage von Anna Maria L.

Behandeln Sie auf Ihrer Station nur ältere Patienten oder können Sie auch jüngere aufnehmen?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Wir behandeln mit Ausnahme von Kindern (die im St. Anna Kinderspital behandelt werden) Patienten aller Altersstufen. Weil die Krebserkrankungen aber vorwiegend bei älteren Menschen auftreten, behandeln wir wesentlich seltener junge Menschen. Die haben allerdings häufig einen sehr dramatischen Krankheitsverlauf und stellen für das Palliativ-Team sicherlich eine Herausforderung dar.

15.10.2008 - Frage von Ulrich R.

Kann z.B. Craniosacrale Therapie, Osteopathie oder ähnlich gelagerte Therapieformen für unheilbar kranke Menschen Erleichterung bringen?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Auf unserer Station bieten wir allen unseren Patienten eine Physiotherapie an. Unsere Patienten sind meistens bettlägrig und haben auch schmerzbedingte muskuläre Verspannungen. Um diese zu behandeln, eignen sich zum Beispiel Massagen oder andere physiotherapeutische Maßnahmen.

15.10.2008 - Frage von Jaqueline S.

Macht es Sinn, dass ich versuche, meinen Mann, der gar nicht mehr aufstehen will, mit der Hilfe einer Physiotherapeutin zu mobilisieren? Mein Mann hat Knochenmetastasen.

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Vor dem Versuch aufzustehen, sollten sie unbedingt mit dem Arzt Ihres Mannes sprechen, ob eine Mobilisierung gefahrlos möglich ist. Wenn dies der Fall ist, ist eine Physiotherapie sinnvoll, weil erwiesen ist, dass körperliches Training auch in einem fortgeschrittenen Stadium die Lebensqualität deutlich verbessert. Allerdings ist es so, dass es in einem fortgeschrittenen Krebsstadium zu einem nicht mehr aufhaltbaren Muskelschwund kommt, der letztlich die Mobilisierung unmöglich macht. Es mangelt deshalb den Patienten oft nicht am Willen, sondern an den fehlenden Muskeln.

15.10.2008 - Frage von Max F.

Meine Schwester (Lungencarcinom) hat schon seit längerem keinen Appetit mehr und nimmt stetig ab. Gibt es vielleicht alternativmedizinische Maßnahmen, die Sie mir empfehlen können um den Appetit zu steigern?

Antwort von Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke

Alternativmedizinische Maßnahmen sind Teil der Palliativmedizin und der Onkologie an sich, da ja die Mehrzahl von Patienten mit Krebserkrankungen alternativmedizinische Therapien durchführt. Wichtig dabei ist, dass nicht zu viele Maßnahmen gleichzeitig versucht werden. Am aller wichtigsten ist aber, dass diese Maßnahmen in keinem Fall zu einer zusätzlichen Belastung des Patienten führen. In der Palliativmedizin ist das oberste Gebot alles, was die Lebensqualität des Patienten verschlechtert, auch wenn es gut gemeint und nur kurzfristig sein sollte, zu vermeiden. An unserer Station stehen wir diesen Maßnahmen offen gegenüber und beraten die Patienten auch hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen. Prinzipiell ist in diesem Krankheitsstadium alles was dem Patienten hilft (und ihm nicht schadet) willkommen, auch wenn es im schulmedizinischen Sinn nicht als wirksame Therapie eingestuft wird.

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