Chirurgie: Univ.-Prof. Dr. Klaus Kaczirek

Bild von Univ.-Prof. Dr. Klaus Kaczirek Univ.-Prof. Dr. Klaus Kaczirek, Oberarzt an der Universitätsklinik für Chirurgie beantwortet häufige Fragen von PatientInnen und Angehörigen rund um das Thema Darmkrebs und Chirurgie.

Univ.-Prof. Dr. Klaus Kaczirek arbeitet an der Universitätsklinik für Chirurgie, Klinische Abteilung für Allgemeinchirurgie am Wiener AKH. Er beschäftigt sich mit onkologischer Chirurgie des Magen-Darmtraktes, der Leber und der Bauchspeicheldrüse sowie endokriner Organe (Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere) und der Etablierung laparoskopischer Operationstechniken (Schlüssellochchirurgie). Er war Leiter der Arbeitsgruppe Leber/Galle/Bauchspeicheldrüse der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgische Onkologie und Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Fachgesellschaften.

Kontakt: klaus.kaczirek(at)medfkf.at

detaillierter Lebenslauf von Univ.-Prof. Dr. Klaus Kaczirek (.pdf, 22 KB)

 

 

 

Welche Operationsmöglichkeiten gibt es bei Darmkrebs?

Der Dickdarm besteht aus einem aufsteigenden, einem queren, einem absteigenden und einem s-förmig geformten Anteil. Die Gefäße und die Lymphknoten befinden sich in einem Gekröse, das vom Bauchfell überzogen ist.

Je nach der Lage des Tumors wird entweder der gesamte aufsteigende (colon ascendens), quere (colon transversum), absteigende (colon descendens) oder der s-förmig geformte Darmanteil (colon sigmoideum) entfernt, wobei die Darmkontinuität entweder durch eine Verbindung zwischen Dünn- und Dickdarm, bei Entfernung des aufsteigenden oder durch eine Verbindung zwischen den beiden Dickdarmenden wieder hergestellt wird. 

Der Tumor wird zusammen mit den abführenden Lymphgefäßen und Lymphknoten weit im Gesunden entfernt, d.h. die Durchtrennung der Darmabschnitte erfolgt weit vom Tumor entfernt (zwischen 5 und 10 cm oder mehr) und das entsprechende Gekröse wird bis zum Ursprung der den Darmabschnitt versorgenden Gefäße mit entfernt. Die beiden dadurch entstehenden Darmöffnungen werden daraufhin durch spezielle Nahttechniken wiedervereinigt.

Im Laufe der jahrzehntelangen Erfahrung haben sich bewährte Standardoperationen zur radikalen Operation von Dickdarmkrebs entwickelt:

  • Tumoren des Appendix und des aufsteigenden (rechten) Dickdarms: Hemikolektomie  rechts mit zentraler Ligatur  der versorgenden Blutgefäße
  • Tumor am Übergang aufsteigender/querer Dickdarm: Hemikolektomie rechts mit Erweiterung des Resektionsausmaßes auf das Lymphabflussgebiet des queren Dickdarms
  • Tumoren im mittleren Querdarm: Entfernung des Querdarms unter Mitnahme des Übergangs von aufsteigendem zu querem und von querem zu absteigendem Dickdarm mit Lymphabflussgebiet des queren Dickdarms
  • Tumoren am Übergang des queren zu absteigendem (linkem) Dickdarm: Entfernung des Querdarms und des absteigenden Darms. Der aufsteigende Darm wird in diesem Fall mit dem oberen Mastdarm verbunden.
  • Tumoren im absteigenden oder s-förmigen Darm: Hemikolektomie links 
  • Tumoren des mittleren s-förmigen Darms: Sigmaresektion  mit zentraler Unterbindung der versorgenden Blutgefäße
  • Tumoren des unteren s-förmigen Darms und des oberen Mastdarms: vordere Resektion

In aller Regel ist die Operation der erste Schritt zur Behandlung bei Dickdarmkrebs. Dabei richtet sich die Art und das Ausmaß des Eingriffs nach der Lage und der Ausbreitung des Darmtumors.

Lokale Operation bei bösartigen Dickdarmpolypen

Nur wenige bösartige Dickdarmpolypen können während der Darmspiegelung mittels Polypektomie sicher und komplett entfernt werden, so dass dann chirurgisch behandelt werden muss. Die alleinige lokale Operation (Polypektomie, Submucosa Resektion) ist allerdings nur dann ausreichend, wenn der Tumor zur Gänze in einem Präparat (nicht fragmentiert) entfernt wurde und eine so genannte "low-risk"-Situation vorliegt, d.h. ein frühes Krebsstadium (T1, N0, MO) mit nur wenig aggressiven Krebszellen (Grading G1-G2) ohne Gefäß- oder Lymphgefäßinvasion (V0, L0) und einer Eindringtiefe in die Submucosa<1000µm (Sm1). Gestielte Polypen eignen sich hierfür besser als sessile, breitbasige Polypen. Unter Diskussion ist, ob auch Tumore, die ins mittlere Drittel der Submucosa (Sm2) reichen, mit einer lokalen endoskopischen Entfernung ausreichend behandelt werden können.

In allen anderen Situationen muss eine radikale Tumoroperation durchgeführt werden.

Vor der radikalen Tumoroperation am Dickdarm wird die Stelle des gefährlichen Polypen während einer Darmspiegelung markiert. Hierfür kann ein Metallclip von innen an die Darmwand geknipst werden oder man spritzt etwas dunkle Tuschelösung an diese Stelle. Bei der anschließenden Bauchoperation erkennt der Chirurg die markierte Darmstelle und führt eine onkologie-gerechte Darmresektion durch. Zur Sicherheit kann auch während der laufenden Operation eine Darmspiegelung erfolgen, die dem Chirurgen den genauen Sitz des Polypen anzeigt.

Operation bei Mastdarmkrebs

Der Mastdarm umfasst die letzten ca. 16 cm des Darmes bis an den Schließmuskelapparat bzw. den Anus heran. Die vorherrschende Operationsart ist die vom Bauchraum durchgeführte Entfernung des Mastdarmes mit einer Verbindung zwischen dem absteigenden Dickdarmanteil und dem über den Schließmuskel durchtrennten Mastdarmanteil. Nur wenn der Tumor in den Schließmuskelapparat einbricht, muss der Schließmuskelapparat entfernt werden und dem Patienten ein künstlicher Ausgang (Stoma) für die weitere Lebenszeit angelegt werden. Bei sehr tief im kleinen Becken durchgeführter Darmverbindung kann manches Mal vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, der nach etwa 6 Wochen wieder zurück operiert wird.

Gesamten Dickdarm entfernen

Bei Patienten mit einem extrem hohen Darmkrebsrisiko kann eine vollständige Dickdarm- und Mastdarmentfernung notwendig sein. Menschen z.B. mit Familiärer Adenomatöser Polyposis (FAP) haben ein nahezu 100%-Risiko an Darmkrebs zu erkranken. Hier wird, genauso wie bei Darmkrebspatienten mit langjähriger Colitis ulcerosa (chronischer Entzündung der Dickdarmschleimhaut), zur Sicherheit der gesamte Dick- und Mastdarm entfernt, wobei alles daran gesetzt wird, den Afterschließmuskel zu erhalten. Oft bildet der Operateur aus dem letzten Teil des Dünndarms (Ileum) eine Art Beutel, ein Reservoir (engl.: Pouch), welches direkt an den Schließmuskel genäht wird und die Funktion des entfernten Mastdarms nachahmen kann.

Vorübergehender künstlicher Darmausgang

In schwierigen Fällen von Dickdarmkrebs kann sich der Chirurg dazu entscheiden, einen vorübergehenden künstlichen Darmausgang (Stoma) anzulegen. Dies kann der Fall sein, wenn der Tumor beispielsweise in die Bauchhöhle durchgebrochen ist und eine Infektion der Bauchhöhle vorliegt oder der Tumor tief am Mastdarm sitzt. Mit Hilfe des Stoma  wird dann der Stuhlgang vorzeitig durch die Bauchhaut ausgeleitet, was die frische Darmnaht für einige Zeit entlastet, damit sie in Ruhe abheilen kann. Ein solches "Entlastungsstoma" besteht nur vorübergehend: Nach einigen Wochen wird der künstliche Ausgang in einer kleinen Operation zurückverlegt, d.h. der natürliche Verdauungsweg wieder hergestellt und das Loch in der Bauchhaut verschlossen.

Laparoskopische Verfahren

Bei Patienten mit einem Kolonkarzinom ist die laparoskopische Tumorentfernung ("Schlüsselloch-Chirurgie) etabliert und wird breit angewendet, d.h. gehört inzwischen zur Routine. Die Laparoskopie liefert ein ebenso gutes onkologisches Ergebnis wie die offene Chirurgie und hat den Vorteil, dass sich die Patienten schneller von dem Eingriff erholen und weniger Schmerzen haben. Der Eingriff sollte durch einen in dieser Technik erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden. In bestimmten Fällen (z.B. bei Verwachsungen im Bauchraum, Darmverschluss, T4-Stadium) ist die laparoskopische Tumorentfernung jedoch nicht geeignet.

Quellen:
ESMO Consensus Guidelines for management of patients with colon and rectal cancer. A personalized approach to clinical decision making H. J. Schmoll1*, E. Van Cutsem2, A. Stein3, V. Valentini4, B. Glimelius5,6, K. Haustermans7, B. Nordlinger8,9, C. J. van de Velde10, J. Balmana11, J. Regula12, I. D. Nagtegaal13, R. G. Beets-Tan14, D. Arnold3, F. Ciardiello15, P. Hoff16,17, D. Kerr18, C.H. Köhne19, R. Labianca20, T. Price21, W. Scheithauer22, A. Sobrero23, J. Tabernero24, D. Aderka25, S. Barroso26, G. Bodoky27, J. Y. Douillard28, H. El Ghazaly29, J. Gallardo30, A. Garin31, R. Glynne-Jones32, K. Jordan1, A. Meshcheryakov31, D. Papamichail33, P. Pfeiffer34, I. Souglakos35, S. Turhal36 & A. Cervantes37
Annals of Oncology 23: 2479–2516, 2012
NCCN Guidelines Version 1.2013

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Wieso muss der Tumor operativ entfernt werden?

Das wichtigste Verfahren zur Behandlung von Darmkrebs ist die Operation. Ihr Ziel ist es, den Tumor mit den angrenzenden Lymphabfluss – und wenn möglich etwaigen Tochtergeschwülsten – vollständig zu entfernen und damit die Krankheit zu heilen. 
Kann der Tumor nicht mehr komplett entfernt werden, steht der Erhalt der Darmdurchgängigkeit im Vordergrund. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Metastasen der Lunge, der Leber oder im Bauchraum operativ entfernt werden. Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten der Operation. 
Beim Kolonkarzinom wird je nach Lage des Tumors die rechte oder die linke Seite des Dickdarms entfernt. Hierbei handelt es sich um ein standardisiertes Operationsverfahren, bei dem auch die zugehörigen Lymphdrüsen komplett entfernt werden. Anschließend wird der Durchgang des Darms durch Aneinandernähen der Darmenden wiederhergestellt. Die Anlage eines künstlichen Darmausganges ist nur in wenigen Ausnahmefällen erforderlich.

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Was passiert mit den Gewebeproben?

Das gesamte während der Operation entfernte Gewebe, Tumorgewebe und Lymphgewebe, wird anschließend zur feingeweblichen Begutachtung in ein Labor gesendet. Erst jetzt kann überprüft werden,

  • ob der Tumor komplett - also "im Gesunden" - entfernt werden konnte. In diesem Fall sprechen Ärzte von einer R0-Resektion (s.u.)
  • ob in dem entfernten Lymphgewebe Tumorzellen vorhanden sind. Wenn ja, dann liegen Lymphknotenmetastasen vor. Dies hat Einfluss auf das Krankheitsstadium (Staging) und ist für den weiteren Behandlungsplan von entscheidender Bedeutung
  • wie weit der Tumor in die Darmwand eingedrungen ist (Invasionstiefe)
  • ob es sich um mehr oder weniger aggressiv wachsende Krebszellen handelt (Grading)

Das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung nach der Operation ist demnach von ganz entscheidender Bedeutung für die weitere Behandlung bei Darmkrebs.
Für die Beschreibung der Vollständigkeit der Tumorentfernung benutzen Ärzte die folgende Einteilung. Das "R" steht dabei für einen möglicherweise verbliebenen Resttumor (Residualtumor):

R0

es ist nach der Operation kein Resttumor vorhanden, der Tumor ist komplett im Gesunden herausoperiert worden (R0-Resektion).

R1

mikroskopisch kleine Reste des Tumors sind im Körper zurückgeblieben (R1-Resektion). Dies zeigt die feingewebliche Untersuchung des herausoperierten Tumorgewebes nach der Operation.

R2

Hier sind größere, mit bloßem Auge sichtbare Teile des Tumors nicht herausoperiert worden (R2-Resektion). Der Chirurg erkennt dies bereits während der Operation, kann es aber nicht verhindern, wenn z.B. lebenswichtige Strukturen vom Krebs befallen sind, die nicht ohne weiteres herausgeschnitten werden können.

Konnte eine R0-Resektion erzielt werden, ist dies die beste Voraussetzung für eine Heilung.

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Wie lange dauert das Ergebnis der Gewebeuntersuchungen?

Dies ist vom Aufwand der vom Pathologen durchzuführenden Untersuchungen und von der Institution abhängig. Üblicherweise sollte der Befund nach spätestens 7-10 Tagen vorliegen.

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Werden die Gewebeproben aufgehoben?

Im Rahmen der pathologischen Untersuchung werden die relevanten Gewebeproben aus dem Gesamtpräparat herausgeschnitten und in Paraffin eingebettet. Aus den daraus entstehenden Paraffinblöcken werden dünne Schnitte angefertigt, je nach Fragestellung spezielle Färbetechniken angewandt und dann im Mikroskop begutachtet. Dazu wird nicht der gesamte Paraffinblock benötigt, der verbleibende Block wird archiviert und steht so für ev. zukünftige Fragestellung zur Verfügung. Auch zu Forschungszwecken kann Gewebe aufbewahrt werden. In diesem Fall wird aber die Einwilligung des Patienten eingeholt.

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Kann ich durch die Operation geheilt werden?

Eine Operation bietet besonders im Frühstadium optimale Heilungschancen, d.h. wenn der bösartige Tumor entweder nur die Schleimhaut oder maximal die Muskelschichten des Darmes betrifft. Durchbricht der Tumor die Darmwand, kommt es in einem höheren Prozentsatz zu einer wiederkehrenden Erkrankung (Rezidiv), sodass in dieser Situation dem Patienten eine postoperative Chemotherapie angeboten werden kann. Haben Krebszellen bereits in die Lymphknoten gestreut, ist durch die alleinige Operation die Heilungschance ungünstiger, sodass in diesen Fällen eine medikamentöse Therapie durchgeführt werden sollte. Durch die Anwendung verschiedener Therapieformen (Operation, medikamentöse Therapie, Strahlentherapie etc.) kann jedoch bei einigen Patienten sogar im fernmetastasierten Stadium eine Heilung erreicht werden.

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Was muss ich bis zum Operationstermin beachten?

Besprechen Sie alle relevanten Fragen mit Ihrem behandelnden Arzt. Nach dem Gespräch sollten Sie einen genauen Überblick über Ihren Behandlungsplan erhalten haben. Viele Patienten profitieren auch von Gesprächen mit anderen betroffenen Patienten. Ihr Arzt kann ihnen sicherlich den Kontakt zu Selbsthilfegruppen ermöglichen. Auch eine psycho-onkologische Betreuung ermöglicht es, besser mit der Diagnose umzugehen und trägt so zum Behandlungserfolg bei.

Sollte eine Mangelernährung vorliegen, sollten von Ihrem betreuenden Arzt ernährungsspezifische Maßnahmen getroffen werden. Körperliche Aktivität mit moderater Belastung ist ebenso von Vorteil, um mit möglichst großer Fitness in die Operation zu gehen. Wenn möglich, sollten sie auch auf Rauchen verzichten, da dies den gesamten perioperativen Verlauf komplizieren kann.

Eine Eigenblutvorsorge ist aufgrund des geringen Risikos eines Blutverlusts bei den heute üblichen Operationstechniken nicht erforderlich.

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Welche präoperativen Untersuchungen sind erforderlich?

Auch wenn viele Patienten bei der Einweisung in die Klinik bereits zahlreiche Untersuchungen hinter sich haben und deren Ergebnisse mitbringen, muss sich auch der behandelnde Chirurg ein eigenes Bild vom Darmtumor machen.

In den meisten Fällen wurde bereits eine Darmspiegelung durchgeführt, falls nicht, muss sie jetzt nachgeholt werden, um den gesamten Darm von innen genau zu untersuchen. Wichtig ist dies, um einen gleichzeitig bestehenden zweiten Darmtumor oder andere Veränderungen wie Darmpolypen auszuschließen: Die Wahrscheinlichkeit, dass gleichzeitig ein zweiter, unabhängiger Darmkrebs vorhanden ist, beträgt ca. zwei Prozent. Gleichzeitige Polypen sind sehr viel häufiger anzutreffen. Engt der Tumor den Darm so weit ein, dass das Endoskop bei der Untersuchung nicht an der Einengung vorbei geschoben werden kann, muss die Darmspiegelung abgebrochen werden. Sie soll dann 3 - 6 Monate nach der Operation unbedingt nachgeholt werden.

Weiters gehören zu den gängigen Voruntersuchungen vor einer Darmkrebsoperation:

  • Klinische Untersuchung mit digitaler rektaler Untersuchung: Austasten des untersten Mastdarmbereichs: erlaubt orientierende  Beurteilung der Schließmuskelfunktion sowie bei tief sitzenden Rektumkarzinomen wie tief der Tumor in die Darmwand eingewachsen ist. Damit ist eine gewisse Abschätzung des Schließmuskelerhalts möglich.
  • Abdomensonografie: Ultraschalluntersuchung des Bauchraums (als orientierende Untersuchung des Abdomens [Leber, Aszites, Gallensteine]; liefert darüber hinaus Hinweise auf organüberschreitend wachsende Kolonkarzinome; verdächtige Befunde an der Leber müssen durch ein weiteres bildgebendes Verfahren abgeklärt werden)
  • Röntgen-Thorax in zwei Ebenen: Röntgenuntersuchung des Brustkorbes (Nachweis oder Ausschluss von Lungenmetastasen; verdächtige Befunde sind durch ein weiteres bildgebendes Verfahren abzuklären)
  • Abdomensonographie und Thoraxröntgen sind heutzutage durch eine Computertomographie Untersuchung des Brustkorbs und Bauchraums weitgehend abgelöst worden, da diese wesentlich genauere Ergebnisse liefern kann
  • Magentresonanztomographie des Beckens: bei Mastdarmkrebs zur genauen Beurteilung der lokalen Tumorausbreitung und ev. auch zur Darstellung von Lymphknotenmetastasen
  • Endosonographie: Ultraschall mit einer in den Mastdarm eingebrachten Sonde, dient ähnlich wie die Magnetresonanztomographie bei Mastdarmkrebs zur genauen Beurteilung der lokalen Tumorausbreitung
  • Präoperativer CEA-Wert: ein molekularer Tumormarker, der als unabhängiger prognostischer Parameter fungiert

Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73.

Bei einem Mastdarmkrebs wird der Chirurg zudem die Funktion des Schließmuskels prüfen und eine Mastdarmspiegelung (Rektoskopie) vornehmen.

Darmreinigung und Antibiotikagabe

Der Darm enthält massenhaft Bakterien, die Darmflora. Diese Bakterien sind für die Darmfunktion unentbehrlich und normalerweise unschädlich. Gelangen sie jedoch während einer Operation in größeren Mengen in die freie Bauchhöhle oder an andere Stellen im Körper, so können dadurch schwere Infektionen verursacht werden.

Vor der Darmoperation wird besonders bei Tumoren in den links gelegenen Dickdarmabschnitten der Darm deshalb gründlich gereinigt. Hierzu wird wie bei der Dickdarmspiegelung eine spezielle Spüllösung verabreicht. Diese Lösung wird normalerweise getrunken. Alternativ kann sie über eine Sonde im Zwölffingerdarm verabreicht werden. Voraussetzung dafür ist, dass kein Darmverschluss vorliegt - in einem solchen Fall wird die Darmreinigung in veränderter Weise durchgeführt, was dann mehrere Tage in Anspruch nehmen kann.

Essen, Trinken und auch das Rauchen sollten Sie nach Anweisung des Arztes spätestens am Abend vor der Operation einstellen.

Bei einer Darmoperation besteht trotz der Darmvorbereitungen immer ein gewisses Risiko für Infektionen. Deswegen erhalten alle Patienten vor der Operation eine so genannte Antibiotika-Prophylaxe. Diese besteht meist aus der Einmalgabe eines Antibiotikums. Es wird während der Narkoseeinleitung als Infusion über eine Vene verabreicht.

Hautrasur und Thromboseprophylaxe

Vor der Operation wird das Hautareal rasiert, in dem der Hautschnitt erfolgt. Dadurch lässt sich die Haut weit effektiver desinfizieren und es verringert sich die Gefahr, dass Krankheitserreger in die Operationswunde eindringen und dort oder an anderen Stellen im Körper Infektionen auslösen können.
Zur Thrombosevorbeugung erhalten Sie am Tag der Operation Kompressionsstrümpfe und - wie auch an den Tagen nach der Operation - eine Heparinspritze. Bei Bedarf bekommen Sie gegen Angst und Nervosität ein Beruhigungsmittel.

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Welche Beschwerden treten nach der Operation auf?

Bei geplanten Darmoperationen wird in vielen Zentren das sogenannte „fast track“ (Schnelle Schiene) Konzept angewendet. Dieses beinhaltet eine schnelle Mobilisation des Patienten mit frühzeitigem Kostaufbau und nur wenige Tage dauerndem Krankenhausaufenthalt.

Aufgrund exakter OP Planung und verbesserter chirurgischer Techniken sowie der anästhesiologischen Betreuung sind selbst ausgedehnte Operationen heutzutage für den Organismus weniger belastend und mit weniger Risiken und Komplikationen verbunden als noch vor einigen Jahren. Trotzdem kann es im postoperativen Verlauf zu Einschränkungen des Wohlbefindens und auch zu Komplikationen kommen.
Dazu zählen:

Blutungen

Trotz exakter Blutstillung besteht vor allem innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation die Möglichkeit einer Nachblutung. Das Risiko einer relevanten Nachblutung ist mit 1% niedrig. Meist handelt es sich dabei um Sickerblutungen aus kleinsten Blutgefäßen oder Wundflächen. Blutungen aus größeren Blutgefäßen sind extrem selten. Meist können geringe Nachblutungen konservativ beherrscht werden, selten ist jedoch eine Nachoperation mit Ausspülung des Hämatoms und nochmaliger Blutstillung erforderlich.

Anastomoseninsuffizienz

Darunter versteht man das „Undicht werden“ der Nahtverbindung zwischen den beiden Darmenden. Die Rate sollte in erfahrenen Zentren nicht höher als 2-3% liegen. Anastomosendehiszenzen treten typischerweise um den 7. postoperativen Tag auf. Erhöhtes Risiko einer Undichtigkeit besteht bei Enddarmoperationen in der Nähe des Schließmuskels sowie nach einer erfolgten Bestrahlung. Warnsymptome sind im Verlauf zunehmende Bauchschmerzen sowie Fieber.

Wundinfektion

Bei jedem operativ gesetztem Schnitt besteht die Möglichkeit einer Wundinfektion. Da der Darm stark keimbesiedelt ist, kann es insbesondere bei Darmoperationen in ca. 5 % der Operationen dazu kommen. Um die Rate so gering wie möglich zu halten, werden bim OP besondere Hygienemaßnahmen eingehalten und auch ein Antibiotikum (meist als einmalige „single shot“ Dosis) verabreicht. 
Wundinfektionen heilen mit spezieller Wundpflege meist problemlos ab, können aber den Krankenhausaufenthalt verlängern.

Darmlähmung

Durch das operative Trauma kommt es häufig zu einer verzögerten Wiederaufnahme der Darmtätigkeit. Man bezeichnet dies als postoperative Darmlähmung. Durch raschen Kostaufbau und Mobilisation (fast track, s.o.) kann diese Phase möglichst kurz gehalten werden. Zum Abgang von Winden bzw. Stuhlgang kommt es üblicherweise innerhalb der ersten Woche. Selten ist es erforderlich, den Darm für einige Tage mit einer Magensonde zu entlasten.

Schmerzen

Üblicherweise kommt es unmittelbar nach der Operation sowie in den ersten 2 – 3 Tage zu relativ starken Wundschmerzen. Diese sind bei laparoskopischen Operation meist geringer als bei offenen. Es gibt aber eine breite Palette an Schmerzmedikamenten, die weitgehende Schmerzfreiheit ermöglichen. Dazu wird routinemäßig eine regelmäßige Schmerzmedikation verordnet sowie eine bei weiterhin vorhandenen Schmerzen abrufbare Bedarfsmedikation.
Die Schmerzen lassen bei unauffälligem postoperativen Verlauf innerhalb einer Woche nach, sodass Patienten nach komplikationslosem Verlauf üblicherweise 8 – 10 Tage nach der Operation das Krankenhaus ohne weitere Schmerzmedikation verlassen können. Bei Entfernung des gesamten Enddarmes sind Wundschmerzen, aber auch Schmerzen im Bereiche des Steißbeins über längere Zeit zu erwarten.  Doch auch hier kann durch entsprechende Medikamente gegengesteuert werden.

Verdauungsprobleme/Stuhl

Je nach durchgeführtem Eingriff kommt es zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Verdauungsproblemen. Diese äußern sich in veränderten Stuhlgewohnheiten. Es kann zu breiigen bis flüssigen Stühlen und einer höheren Stuhlfrequenz kommen. Nach einer Adaptierungsphase des Darms normalisiert sich dies jedoch wieder. Unterstützend kann manchmal eine Medikation mit Darmmotorik hemmenden oder eindickende Medikamente sinnvoll sein.
Wurde der Enddarm entfernt, kann es in der Anfangsphase zum Stuhldrang sowie zu einer Inkontinenz (Unfähigkeit, Winde oder Stuhlgang zu kontrollieren) unterschiedlicher Schwere kommen. Dies kann jedoch bei Auftreten oder dauerhaften Problemen trainiert und verbessert werden.
Ebenso kann ein vorübergehender oder dauerhafter künstlicher Darmausgang Folge einer großen Darmoperation sein. Dies ist allerdings selten bei Operationen im Dick- und Mastdarmbereich notwendig.

Blasen- und Sexualfunktionsstörungen

Bei Mastdarmoperationen kann es postoperativ zu Funktionsstörungen der Blase kommen, bei Männern gelegentlich auch zu Störungen der Sexualfunktion (Potenzprobleme). Ursache ist die Reizung oder auch Verletzung von Nerven, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Operationsgebiet verlaufen. Die Beschwerden sind oftmals vorübergehend. Dank neuester und weiterentwickelter Operationstechniken treten anhaltende Probleme selten auf.

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Wohin kann Darmkrebs metastasieren?

Krebszellen können sich auf dem Weg der Lymph- und Blutgefäße ausbreiten; dadurch kann es zu einer Absiedlung (Streuung) von Krebszellen in den regionären Lymphknoten bzw. in der Leber, dem ersten Filterorgan, kommen. In selteneren Fällen kann die Leber ausgelassen werden und eine Metastasierung in der Lunge stattfinden. Andere Metastasen-Lokalisationen sind außerordentlich rar und können dann Knochen oder das Gehirn betreffen.

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Was soll man nach der Operation beachten (Ernährung, Bewegung)?

Da es wie oben beschrieben postoperativ zu Änderungen der Stuhlgewohnheiten kommen kann, ist es sinnvoll durch entsprechende Ernährungsmaßnahmen gegenzusteuern. Es gibt aber keine verbindlichen Diätvorschriften. Wesentlich ist wie bei jedem Menschen eine gesunde abwechslungsreiche Ernährung. Besonders gute Erfahrungen bestehen hier mit der mediterranen Küche. 
Sollten dennoch Unverträglichkeiten gegenüber einzelnen Speisen oder Nahrungsmitteln auftreten, sollten diese eher gemieden werden. Häufiger zu Unverträglichkeiten führen früh postoperativ leicht blähende Speisen wie: Hülsenfrüchte, Pilze, Kohlgemüse, rohe Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, frittierte Speisen, Vollkornbrot mit ganzen Körnern, frisch gebackenes Brot, hart gekochte Eier, säurehaltige Lebensmittel, stark Gebratenes, Geräuchertes, scharf Gewürztes, zu heiße sowie zu kalte Speisen und Getränke, kohlensäurehaltige Getränke und unreifes oder frisches Obst. 
Wichtig für eine gute Rehabilitation ist moderate körperliche Aktivität bis zur Operation und auch ein rascher postoperativer Wiederbeginn mit Bewegung. Natürlich ist dies zunächst nur eingeschränkt möglich, auch die Bauchdecke sollte insbesondere nach konventioneller offener Operation die ersten 6-8 Wochen nicht stark belastet werden. Dennoch sollte man seine körperliche Leistungsfähigkeit durch regelmäßige Bewegung schrittweise aufbauen.

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Welche Folgen hat es wenn ich die Operation hinauszögere?

Einerseits kann es zum Tumorwachstum oder zur Ausstreuung (Metastasierung) des Tumors kommen und möglicherweise können auch lokale Probleme wie Blutung oder Darmverschluss entstehen. Nach erfolgter Diagnose sollte nach Angaben des betreuenden Arztes vorgegangen werden.

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Welche Nachuntersuchungen sind notwendig?

Sehr wichtig bei der Behandlung von Darmkrebs ist die regelmäßige Nachsorge. Nur so kann man Metastasen oder einen örtlichen Rückfall (erneutes Wachstum eines Tumors an der ursprünglichen Stelle) frühzeitig erkennen und so die Prognose deutlich verbessern. Nachsorge bedeutet für Sie als Patient einen recht geringen Aufwand, der Ihnen aber nicht nur Lebenszeit, sondern auch Lebensqualität schenkt. Es ist daher sehr wichtig, dass Sie regelmäßig zur Nachsorge gehen.

Diagnostische Nachsorgeuntersuchungen umfassen: die Anamnese, klinische Untersuchung als grundsätzlichen Bestandteil, die Bestimmung des Tumormarkers karzinoembryonales Antigen (CEA) alle 6 Monate für 2 Jahre sowie eine Ultraschalluntersuchung zur Erkennung von Lebermetastasen kombiniert mit einem Lungenröntgen zur Erkennung von Lungenmetastasen. Die beiden letzten Untersuchungen können mit höherer Genauigkeit auch durch eine Computertomographie (von Brustkorb und/oder Bauchraum) ersetzt werden. Weiters werden regelmäßige Darmspiegelungen durchgeführt.

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