Darmkrebs und Ernährung: Prof. Dr. Irene Kührer

Abbildung Prof. Dr. Irene KührerFrau Prof. Dr. Irene Kührer, Fachärztin für Hämatologie und Onkologie an der Universitätsklinik Wien, AKH, beantwortet häufige Fragen rund um das Thema Darmkrebs und Ernährung.

 

Prof. Dr. Irene Kührer – Kurzportrait

Frau Prof. Dr. Irene Kührer is Fachärztin für Hämatologie und Onkologie an der Universitätsklinik Wien, AKH.

Sie hat langjährige Erfahrung in der Betreuung chronisch Kranker und insbesondere Krebskranker gesammelt. Begleitend hierzu hat sie eine Ausbildung in Schmerztherapie, Palliativ- und Ernährungsmedizin.

Frau Prof. Dr. Irene Kührer ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften und Vortragende auf internationalen Kongressen. Sie ist Autorin mehrerer Bücher zum Thema Ernährung.

Ihr wissenschaflicher Schwerpunkt liegt in der Erforschung der Wirkungsweise von Ernährungsmedizin und deren Zusammenwirken mit den konventionellen Methoden der Chemo- und Strahlentherapie sowie der modernen Immun-und molekularen Therapie.

Frau Prof. Kührer ist Generalsekretärin der EFR - European Federation for ColoRectal Cancer, einer internationalen Plattform zu Erforschung der Dickdarmkrebses.

Kontakt: irene.kuehrer(at)meduniwien.ac.at
Webseite: www.irenekuehrer.at

Worauf sollte man bei der Ernährung besonders achten, wenn eine genetische Vorbelastung für Darmkrebs besteht?

Bei Darmkrebserkrankungen unterscheidet man ein sogenanntes sporadisches Auftreten von einem familiär gehäuften Krebsrisiko. Besonders bei einem Erkrankungsalter unter 40 Jahren muss eine genetische Veranlagung in einem Beratungszentrum abgeklärt werden. Wenn nur ein Familienmitglied erkrankt ist, müssen Sie kein erhöhtes Krebsrisiko befürchten. Dennoch ist eine Ernährung mit einem geringeren Anteil an tierischen Fetten, welche z.B. in Wurstprodukten und Schweinefleisch versteckt sind, zu bevorzugen. Ernähren Sie sich obst- und gemüsereich, das schützt nicht nur vor Krebs, sondern hält auch Ihre Gefäße jung und damit schützen Sie sich auch vor Herz- Kreislauf-Erkrankungen.

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Welche Ernährung wird während der Bestrahlung von Enddarmkrebs und der damit verbundenen Nebenwirkungen wie z. B. Darmkrebs empfohlen?

Die Bestrahlung bei Enddarmkrebs kann besonders gegen Ende der Bestrahlungsserie zum Auftreten von Durchfall führen. Informieren Sie den behandelnden Strahlentherapeuten. Neben einer medikamentösen Therapie sollten Sie jetzt Milchprodukte aus dem Speiseplan vorübergehend weglassen. Klare Suppen, mit fein geschnittenem Gemüse, kurz gegart, gleichen den Elektrolyt-Haushalt aus und versorgen den Körper mit ausreichend Flüssigkeit. Diese Nebenwirkung der Strahlentherapie wird aber nach der Beendigung bald abklingen. 

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Was kann man gegen die Übelkeit unternehmen, die durch Angst vor Kontrollen nach einer Dickdarmkrebs-Operation verursacht wird?

Die Mediziner haben für diese Übelkeit einen unaussprechlichen Namen: Antizipatorische Übelkeit und Erbrechen. Dagegen helfen keine Medikamente sondern nur ein Verhaltens-Training. Versuchen Sie sich genau die Umgebung des Warteraumes vorzustellen. Wenn Sie Übelkeit verspüren, versuchen Sie es mit Ihrer Lieblingsmusik. Hören Sie Ihr Lieblingsstück und atmen Sie regelmäßig. Zusätzlich massieren Sie sich mit beiden Händen unterhalb des Schlüsselbeins, links und rechts vom Brustbein. Vergessen Sie nicht dabei zu atmen.

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Soll man nach einer Darmkrebsoperation ein spezielles Ernährungsprogramm einhalten?

Mit den modernen Operationstechniken können Sie bereits im Spital mit einer leichten Aufbaukost beginnen. Wenn Sie dann zu Hause sind, entwickeln Sie sich zum gesunden Egoisten und teilen Sie Ihre Umgebung zum Einkaufen und Kochen ein, damit Sie Ihre Kraft auf den Genesungsprozess konzentrieren. In den ersten Wochen nach der Operation kann es noch zu häufigem Stuhlgang kommen. Sie sollten sich daher nicht zu sehr mit Ballaststoffen belasten. Leicht verdauliche cremige Suppen, Nudelgerichte und Aufläufe sind genau das Richtige, um Ihre Kraft zurück zu bringen.

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Welche Rolle spielt die Ernährung bei bereits fortgeschrittenem Darmkrebs (Metastasen in der Leber)? Kann man etwas gegen die Appetitlosigkeit tun?

Die Appetitlosigkeit ist ein Hauptproblem bei vielen Krebspatienten. Dabei wäre es so wichtig, das Körpergewicht zu stabilisieren. Mit der Erhöhung des Fettanteiles in Ihrer Nahrung, können Sie die Kalorienaufnahme auch bei kleinen Portionen steigern. Die Angst vor dem Fett ist unbegründet. Wie Sie diese theoretische Empfehlung praktisch umsetzen, können Sie z. B. den Rezepten aus dem Buch "Essenslust stärkt Lebenskraft - Richtige Ernährung bei Darmkrebs" entnehmen. Die rasch zubereiteten Gerichte sind auch für unerfahrene (männliche) Köche leicht zu schaffen. Weitere Anregungen finden Sie unter "Ernährung und Rezepte" auf der rechten Seite dieser Homepage im Service-Bereich.

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Kann ein Zusammenhang zwischen dem jahrelangen Gebrauch von Abführmitteln und der Entstehung von Darmkrebs bestehen?

Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Abführmittel und Darmkrebs ist nicht gegeben. Viele Menschen, die an einer trägen Darmtätigkeit und damit ein gering erhöhtes Krebsrisiko haben, greifen zu Abführmitteln, statt die Ernährung und die Bewegung zu ändern. Leider gewöhnt sich der Darm sehr rasch an Abführmittel. Oft ist es schwierig, nach langem Gebrauch eine normale Verdauung wieder herzustellen. Sollten Sie nach der Einnahme von Abführmitteln an Darmkrebs erkrankt sein, suchen Sie die Schuld nicht bei sich selbst, sondern versuchen von nun an durch gezielte Ernährung die natürliche Verdauung in Schwung zu halten.

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Was kann man gegen Lustlosigkeit und schlechte Laune infolge einer Darmkrebserkrankung tun?

Eine Krebserkrankung stellt einen tiefen psychischen Einschnitt bei jedem Betroffenen dar. Sie sollten professionelle Hilfe eines Psychotherapeuten oder Paartherapeuten in Anspruch nehmen. Natürlich kann es sein, dass eine betroffene Person ihre Krebserkrankung noch nicht überwunden hat. Auf der anderen Seite gibt es viele andere Ursachen, um depressiv und antriebslos auf seine Umwelt zu reagieren. Man könnte vorübergehend auch eine medikamentöse Therapie in Anspruch nehmen (nach Absprache mit dem Arzt), um Stimmung und Antrieb zu verbessern. In jedem Fall sollte man einen Spezialisten aufsuchen.

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Wozu wird der RAS-Status bei Darmkrebs bestimmt? Ist das immer wichtig?

Der RAS-Status kann von Darmkrebszellen bestimmt werden. Dabei unterscheidet man den Wildtyp vom mutierten Typ. Diese neuesten Erkenntnisse der Medizin zeigen, dass RAS ein prädiktiver Faktor ist. Das heißt, man kann durch seine Bestimmung voraussagen, welche Form einer Antikörper-Therapie für den betroffenen Patienten am Besten geeignet ist. Die RAS-Bestimmung wird dann durchgeführt, wenn die Notwendigkeit einer kombinierten Anitkörpertherapie mit Chemotherapie gegeben ist.

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Wie kann man das Immunsystem nach einer Darmkrebsoperation unterstützen? Macht traditionelle chinesische Medizin Sinn?

Eine ausgewogene Ernährung, reich an Gemüse und Obst, stärkt das Immunsystem. Die Farben der Natur stehen für verschiedene Stimulationseffekte des Immunsystems. Nehmen Sie daher etwas Gelbes, Grünes und Violettes, dazu noch die Farbe Rot und Weiß (Knoblauch und Zwiebel). Es gibt viele Studien, die eine unterstützende Wirkung der Ernährung zeigen, sie kann jedoch nicht die Wirksamkeit einer Chemotherapie ersetzen. Dies gilt auch für die verschiedenen Fachbereiche der traditionellen chinesischen Medizin.

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Wie kann man einen an Darmkrebs Erkrankten als Angehörige bestmöglich unterstützen?

Unterstützen Sie Ihren Angehörigen vor der geplanten Operation. Besuchen Sie zum Beispiel die Station wo er aufgenommen wird. Sprechen Sie dort mit dem Pflegepersonal, das senkt die Angstschwelle, denn wer ist schon gerne im Spital.  Informationen über die Erkrankung sollten gemeinsam gesammelt werden. Vermeiden Sie Verunsicherungen durch Informations- und Wissenvorsprünge gegenüber dem Patienten.

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Kann man mit einem künstlichen Darmausgang weiterhin Sport betreiben?

Das Wichtigste bei einem künstlichen Darmausgang ist, mit allen Stomaprodukten vertraut zu sein. In allen großen Zentren, die Darmkrebsoperationen durchführen, gibt es speziell geschulte Stomaschwestern/Pfleger. Sie sind mit den neuesten Produkten vertraut. Natürlich kann man mit einem Stoma Sport betreiben. Selbst Schwimmen ist möglich. Über die Selbsthilfegruppe (www.derdickarm.org) sind Kontaktadressen erhältlich.

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Was kann man gegen Entzündungen der Mundschleimhaut infolge einer Chemotherapie tun? Welche Nahrungsmittel oder Tees versprechen Linderung?

Die Entzündung der Mundschleimhaut ist eine Nebenwirkung der Chemotherapie. Man sollte das mit dem behandelnden Arzt besprechen, da eine Dosisreduktion beim nächsten Zyklus diese Entzündung verhindern kann. Unterstützend wirkt auch eine Mischung aus je 10gr Salbei, Thymian, Majoran, Rosmarin und Bohnenkraut. Dazu übergießt man 5 Teelöffel dieser Kräutermischung mit kochendem Wasser, fügt eine Zimtstange und 3 Gewürznelken bei und lässt diese Mischung 10 Minuten ziehen. Daraus kann man auch kleine (Party-) Eiswürfel herstellen und bei Entzündung im Mund lutschen. Das bringt rasche Erleichterung.
Auf keinen Fall sollte Kamillentee verwendet werden, dieser trocknet die Schleimhäute zusätzlich aus.

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Ist alten Patienten bei Diagnose eines Dickdarmkrebses eine Operation noch zumutbar?

Eine geplante Dickdarm-Operation hat ein geringes Risiko während bei nicht operiertem Darmkrebs der Darmverschluss droht. Eine Operation, die nicht geplant ist, die notfallsmäßig durchgeführt werden muß, hat ein viel höheres Risiko. Die Notwendigkeit einer Chemotherapie kann erst nach der Operation festgesetzt werden und ist nicht immer notwendig. Lassen Sie sich noch einmal über die Operationstechnik und Risiko aufklären.

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Stimmt es, dass sich Sojaprodukte im Speiseplan von Krebskranken günstig auswirken - trifft das auch bei Darmkrebs zu?

Sojaprodukte wie Sojadrinks, Sojajoghurt und Tofu gehören zu den besonders bekömmlichen Lebensmitteln. Sojaprodukte können über verschiedene Mechanismen die Krebserkrankung beeinflussen. Im Fall von Darmkrebs über den Vitamin-D-Spiegel. Man kann in den täglichen Speiseplan einen 1/4 Liter Sojajoghurt einbauen, wie z. B. in Salatdressings oder in Früchtedrinks. Eine einseitige Soja-Ernährung kann aber keine medizinische Behandlung ersetzen.

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Stellt Typ 2 Diabetes einen Risikofaktor für Darmkrebs dar? Wenn ja, was kann man vorbeugend dagegen tun?

Typ 2 Diabetes gehört wie viele andere Erkrankungen zum Formenkreis des sogenannten metabolischen Syndroms. Die Ursache ist Überernährung und Übergewicht. Daher haben Diabetes und Darmkrebs die selben Risikofaktoren. Ernähren Sie sich hauptsächlich pflanzlich mit einem geringen Anteil an Fleisch, bewegen Sie sich regelmäßig und versuchen Sie Ihr Normalgewicht zu erreichen oder zu halten. Ab 50 sollte man im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung eine Basis-Darmspiegelung durchführen lassen.

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Kann man ein Rezidiv mit einer CT Untersuchung genau so gut erkennen wie mit einer Koloskopie?

Die CT Untersuchung und die Koloskopie sind ergänzende Untersuchungen. Die Computertomographie (CT) untersucht die Weichteile wie Leber, Lunge und Lymphknoten und die Koloskopie das Darminnere. Die CT sollte anfänglich in 6-monatigen Abständen, danach jährlich erfolgen, die Koloskopie 1x jährlich.

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Was kann gegen Stuhlprobleme infolge einer Darmkrebserkrankung getan werden?

Flüssigkeit und Ballaststoffe sind die Voraussetzung für eine geregelte Darmtätigkeit. Allerdings wird die Menge an Ballaststoffen oft unterschätzt. 250gr Obst und 350gr Gemüse bringen den notwendigen Ballaststoff-Anteil. Auch körperliche Bewegung ist für die Darmtätigkeit wichtig. Ein Glas lauwarmes Wasser mit 2 Esslöffel Apfelessig in der Früh getrunken ist ein altes Hausmittel. Natürlich darf man auf die jährliche Kontroll-Darmspiegelung nicht verzichten.

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Können Probleme beim Urinieren Folgen einer Darmkrebsoperation sein?

Nur bei Operationen im Enddarm-Bereich kann es zu Blasenstörungen kommen. Beim ersten Auftreten sollte man den Rat eines Urologen einholen.

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Darf man nach einer Darmkrebserkrankung Alkohol trinken?

Lebensqualität steht im Mittelpunkt nach einer Krebserkrankung. Ein Glas Wein bzw. Bier oder z.B. Sherry wirken appetitanregend. Gegen Alkohol in kleinen Dosen ist nichts einzuwenden. Allerdings sollte man es nicht als Entspannungsmittel einsetzen. Vielleicht wären hier andere Entspannungsmethoden wie z.B. Yoga oder eine Gesprächstherapie oder nur die Kontaktaufnahme mit einer Selbsthilfe-Gruppe empfehlenswert.

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Gibt es beim Darmkrebs eindeutige Tumormarker?

Unter Tumormarker versteht man von Krebszellen produzierte Eiweißstoffe. Das Carcino-Embryonale-Antigen auch CEA genannt sowie das CA-19-9 sind Tumormarker, die nicht zur Diagnose aber zur Kontrolle des Therapieansprechens eingesetzt werden.

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Wie kann man Sodbrennen infolge einer Chemotherapie behandeln?

Das Sodbrennen nach der Chemotherapie gehört medikamentös mit sogenannten Protonen-Pumpen-Hemmern behandelt und ist Zeichen einer Magenentzündung. Mit milchhältigen Getränken aber auch Sojadrinks kann die Magensäure neutralisiert werden. Vermeiden Sie geröstete Produkte wie Semmelbrösel, Nüsse, Kaffee und wenn es in der Nacht ganz arg ist, schlafen Sie mit einem Polster zusätzlich.

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