Darmkrebs: Univ.-Prof. Dr. Gabriela Kornek

Bild von Univ. Prof. Dr. KornekUniv.-Prof. Dr. Kornek, Onkologin an der Medizinischen Universität Wien beantwortet häufige Fragen von PatientInnen und Angehörigen zu Darmkrebs - Vorsorge & Symptome, Diagnose & Behandlung sowie Leben & Alltag.

Univ. Prof. Dr. Gabriela Kornek – Kurzportrait

Die Onkologin Dr. Gabriela Kornek arbeitet an der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Onkologie am Wiener AKH. Univ.-Prof. Kornek ist unter anderem Mitglied der American Association for Cancer Research, der American Society of Clinical Oncology, der European Society of Medical Oncology, der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, Leben-mit-Krebs und der Österreichischen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Univ.-Prof. Kornek ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und wurde im Mai 2005 zum "best teacher" der Medizinischen Universität Wien gewählt.

Kontakt: gabriela.kornek(at)meduniwien.ac.at

detaillierter Lebenslauf von Prof. Kornek

 

Ist Darmkrebs heilbar?

Darmkrebs ist immer dann heilbar, wenn er in einem frühen Stadium erkannt wird. Daher ist die Vorsorgekoloskopie die beste Methode Darmkrebs zu verhindern. Auch wenn Darmkrebs schon im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, sind durch die modernen Therapiemethoden die Heilungschancen deutlich gestiegen. So können heute ungefähr 30% aller Patienten mit Lebermetastasen durch eine gezielte Chemotherapie und Operation geheilt werden, vor 10 Jahren hatte man mit der selben Diagnose eine Lebenserwartung von maximal einem Jahr.

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Sind komplementärmedizinische Maßnahmen während der Behandlung erlaubt?

Wenn Sie über eine komplementärmedizinische Therapie nachdenken, sollten Sie dieses unbedingt vorher mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Manchmal kann eine komplementärmedizinische Therapie auch die Wirkung der Chemotherapie oder Immuntherapie negativ beeinflussen oder zu verstärkten Nebenwirkungen führen. Wenn Sie sich für eine komplementärmedizinische Therapie interessieren, wenden Sie sich bitte an die Krebshilfe unter der Telefonnummer 0800-699900. Manche komplementärmedizinischen Maßnahmen wie Nahrungsmittelzusätze können durchaus nützlich sein.

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Wo kann man einen Psychologen bzw. einen Ernährungsberater finden? Wo kann man sich informieren?

Die meisten Krebszentren bieten von sich aus ein Team von Psychologen und Ernährungsberatern an - Sie finden diese in der Regel an einem Aushang der Abteilung an der Sie behandelt werden. Wenn Sie zusätzliche Informationen benötigen, dann wenden Sie sich an eine Außenstelle der Krebshilfe in der Nähe Ihres Wohnortes. Sie erhalten dann kostenlos eine Liste mit PsychologInnen und DiätologInnen.

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Gibt es besonders geeignete Wege, Kindern die Krankheit ihrer Mutter und die damit verbundenen Veränderungen zu erklären?

Ich würde dringend raten, bei der österreichischen Krebshilfe nachzufragen. In einer solchen Situation ist sicher professionelle Hilfe und Unterstützung der ganzen Familie empfehlenswert. Unter der kostenlosen Krebs-Telefonnummer 0800-699900 kann entprechendes Informationsmaterial angefordert werden.

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Gibt es eine Regel dafür, wie lange die Chemotherapie-Behandlungszyklen dauern sollten, oder ist das individuell verschieden?

Die Dauer der Behandlung selbst hängt davon ab, ob sie nach einer Operation durchgeführt wurde; dann dauert Sie in der Regel 6 Monate. Die Dauer der Zyklen hängt von der Art der Chemotherapie und der Immuntherapie ab und kann wöchentlich, alle zwei Wochen, alle drei Wochen oder monatlich erfolgen. Wenn die Tumorerkrankung nur mit Chemotherapie behandelt wird, kann die Chemotherapie auch über viele Monate bzw. Jahre gegeben werden.

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Muss der Arbeitgeber über eine Krebserkrankung informiert werden?

Sie müssen Ihren Arbeitgeber natürlich nicht über Ihre Erkrankung informieren - Ihr Arbeitgeber hat kein Recht dazu darüber informiert sein zu müssen. Wenn Sie jedoch eine Chemotherapie erhalten und Nebenwirkungen auftreten wie Haarausfall oder Hautveränderungen, dann ist es oft leichter, wenn Sie Ihre Arbeitskollegen vorher darüber informieren. Prinzipiell sollten Sie entscheiden, was Ihnen leichter fallen würde (den Haarausfall anders erklären oder über die Erkrankung aufklären).

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Was versteht man unter palliativer Chemotherapie?

Das Ziel einer palliativen Chemotherapie ist das Leben zu verlängern und bestehende Symptome zu lindern. Die Heilung ist in der Regel mit Hilfe einer palliativen Chemotherapie nicht möglich, jedoch kann die Tumorerkrankung in eine chronische Erkrankung übergeführt werden.

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Muss man das Rauchen während der Chemotherapie ganz aufgeben?

Es gibt neueste Erkenntnisse wonach Rauchen die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Chemotherapie negativ beeinflusst. Dies ist schon lange für das Rauchen während einer Strahlentherapie bekannt, wo auch die Nebenwirkungen durch Rauchen verstärkt werden können. Meine Antwort auf Ihre Frage lautet daher: Ja, Sie sollten das Rauchen aufgeben.

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Kann man während einer Chemotherapie alles essen?

Es ist sogar empfohlen regelmäßig zu essen. Es gibt während der Chemotherapie keinerlei Einschränkungen bezüglich der Nahrungsaufnahme, Sie können gerne auch zum Essen ein Glas Wein trinken. Wenn die Chemotherapie abgeschlossen ist, sollten Sie jedoch eine "ausgewogene, gesunde" Ernährung beachten.

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Werden Organproben bei Krebsverdacht nur vom betroffenen Organ entnommen?

In der Regel werden nur Proben von Organen entnommen die befallen sind oder wo Tumore in der Computertomographie festgestellt worden sind. Es kann jedoch sein, dass möglicherweise eine andere Erkrankung als Darmkrebs vermutet wird, was ohne vorliegende Befunde jedoch nicht genauer beurteilt werden kann.

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Gibt es ein Tumorboard für Darmkrebspatienten, und wenn ja, wo?

Es gibt für alle Tumorerkrankungen im AKH ein Tumorboard. Für Darmkrebs und Erkrankungen der Leber und Gallenwege findet dieses Tumorboard regelmäßig einmal pro Woche statt. Es nehmen daran alle Spezialisten für diese Erkrankung, d. h. Chirurgen, Strahlentherapeuten, Onkologen und Radiologen teil. Die Patienten werden in der Regel am Tag danach über die Empfehlungen der Spezialisten informiert.

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Ist es empfehlenswert während der Behandlung aktiv Bewegung zu machen?

Bewegung wird während und nach der Therapie empfohlen. Je nach Kondition sollte man ausgedehnte Spaziergänge machen oder ein Training auf dem Hometrainer. Auch Nordic-Walking und alle anderen Ausdauersportarten sind anzuraten.

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Wann macht man eine Strahlentherapie und welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Eine Strahlentherapie wird in der Regel vor oder manchmal auch nach einer Operation eines Mastdarmkrebses durchgeführt. Dies soll ein Wiederauftreten der Erkrankung im untersten Darmabschnitt verhindern. Die meisten Patienten werden vor der Operation bestrahlt. Die Nebenwirkungen der Strahlentherapie sind Durchfall während der Bestrahlungstherapie sowie in einzelnen Fällen Stuhl-Inkontinenz.

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Wie sehen die Überlebenschancen aus, wenn nach einer Darmkrebs-OP ein Jahr später Lymphknotenmetastasen auftauchen,diese nicht operiert, sondern nur chemotherapeutisch behandelt werden? Sollen die auf jeden Fall bestrahlt oder operiert werden?

Ohne vollständige Vorlage der Befunde kann man natürlich keine genauen Auskünfte darüber erteilen. Bei Vorliegen von Lymphknotenmetastasen ist eine dauerhafte Heilung eher nicht möglich, wohl kann aber mit Hilfe von Chemotherapie ein chronisches Krankheitsstadium herbeigeführt werden. Eine Operation von Lymphknotenmetastasen wird eher nur selten durchgeführt, da dies auch die Heilungschancen nicht wesentlich verändern kann. Eine Strahlentherapie sollte in Abhängigkeit der Befunde sicher mit den Ärzten besprochen und diskutiert werden.

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Gibt es Nahrungsmittel, die man als Patient mit künstlichem Darmausgang meiden sollte, oder ist das individuell verschieden?

Es gibt ganz grundsätzlich keine Verbote oder dringende Empfehlungen außer den allgemein gültigen Empfehlungen bezüglich der ausgewogenen Ernährung. Sie sollten selbst testen, welche Nahrungsmittel Sie gut vertragen, da manche Patienten nach Entfernung eines Darmabschnittes unter Durchfall leiden und hier manche Nahrungsmittel z.B. viel Flüssigkeit zu Durchfall führen können.

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Welche Vorsorgeuntersuchungen sollten durchgeführt werden, wenn eine familiäre Vorbelastung vorliegt?

In einer solchen Situation ist eine Vorsorgeuntersuchung mit Darmspiegelung sicher empfehlenswert. Bestenfalls sollte man 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des erkrankten Angehörigen oder nicht später als im 50. Lebensjahr die erste Darmspiegelung machen.

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Was bedeutet T3N2?

T3 gibt Auskunft über die Infiltrationstiefe, das bedeutet die Tiefe, mit der der Tumor die Darmwand durchdrungen hat. N2 heißt, dass Metastasen in den Lymphknoten gefunden worden sind. Je nach Alter des Patienten wird vermutlich eine Nachbehandlung mit Chemotherapie erforderlich sein.

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Können das vermehrte Auftreten von Hämorrhoiden und fester Stuhl Anzeichen für Damkrebs sein?

Nein. Hämorrhoiden sind kein Anzeichen für Darmkrebs, sondern können nur zufällig nebeneinander auftreten.

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Ab welchem Alter steigt das Risiko an Darmkrebs zu erkranken? Gibt es Unterschiede bei Männern und Frauen?

Grundsätzlich können schon Kinder an Darmkrebs erkranken, das ist allerdings nur der Fall wenn eine familiäre Dirckdarmkrebserkrankung vorliegt (in 1% der Fälle). Gehäuft kommt Darmkrebs ab dem 60. Lebensjahr vor, daher sollte die erste Vorsorgekoloskopie ab dem 50. Lebensjahr durchgeführt werden. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen - wenn in Ihrer Familie ein direkter Verwandter an Darmkrebs leidet, sollten Sie 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter Ihres Verwandten zur ersten Darmspiegelung gehen (d.h. wenn der Vater im Alter von 45 Jahren erkrankt ist, sollten Sie die erste Darmspiegelung im Alter von 35 Jahren machen lassen).

Was versteht man unter "unregelmäßigem" Stuhlgang?

Hier ist nicht eine genaue Angabe entscheidend, sondern die Tatsache, dass Sie immer wieder wechselnd Durchfall oder Verstopfung haben, sollte abgeklärt werden. D.h. wenn Sie 1x pro Woche unklaren Durchfall haben, gefolgt von einigen Tagen Verstopfung, sollten Sie dem nachgehen.

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Was bedeutet Adjuvante Chemotherapie und was ist eine Neo-adjuvante Chemotherapie?

Eine adjuvante Chemotherapie wird nach einer Operation durchgeführt und dauert in der Regel 6 Monate. Das Ziel ist das Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Eine adjuvante Chemotherapie führt aber nicht zu einem 100%igem Schutz vor Wiederauftreten der Erkrankung, aber die Mehrzahl der Patienten profitiert davon.
Eine neo-adjuvante Chemotherapie wird vor einer Operation oder Strahlentherapie durchgeführt und soll zu einer Verkleinerung des Tumors führen. Dadurch kann das Ausmaß der Operation verringert werden und der Arzt kann beurteilen, ob diese Therapie nach der Operation sinnvoll weiter gegeben werden kann.

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Gibt es eine Impfung gegen Darmkrebs? Wenn nicht, wird daran gearbeitet?

Nein. Derzeit gibt es keine Impfung und es wird zur Zeit auch keine Impfung gegen Darmkrebs in Studien getestet.

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Hat Regelmäßigkeit oder Unregelmäßigkeit der Nahrungsaufnahme über den Tag verteilt Einfluss auf die Entwicklung von Darmkrebs?

Darüber gibt es keine klaren Aussagen. Vermutlich besteht kein Zusammenhang zwischen regelmäßiger oder unregelmäßiger Nahrungsaufnahme und Darmkrebs.

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Welche Nahrungsmittel können Einfluss auf die Entwicklung von Darmkrebs haben?

Da gibt es eine große europäische Studie, die ganz klar gezeigt hat, dass Darmkrebs auch im Zusammenhang mit Übergewicht steht. Das heißt diese Krankheit steht im Zusammenhang mit dem Body Mass Index (BMI). Viel Zufuhr von rotem Fleisch kann möglicherweise die Entstehung von Darmkrebs begünstigen. Ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen und regelmäßigem Fischkonsum können möglicherweise Darmkrebs verhindern.

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Fördern häufige Verstopfungen die Entwicklung von Darmkrebs?

Verstopfung ist häufig die Folge von falscher Ernährung, zu wenig Flüssigkeitszufuhr und Bewegungsmangel, die das Entstehen von Darmkrebs begünstigen können. Verstopfung selbst führt in der Regel nicht zu Darmkrebs.

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Muss bei Blut im Stuhl immer gleich eine Darmspiegelung gemacht werden?

Wenn Blutbeimengungen im Stuhl auftreten, sollte dem immer nachgegangen werden.  Die Angst vor einer Darmspiegelung ist nicht begründet. Man kann über die Krebshilfe bzw. über Magen-Darm-Spezialisten eine Liste anfordern, in der die Spezialisten für die sanfte Kolosopie angeführt sind.

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