Onkologie: Prof. Bauernhofer

Prof. Bauernhofer, Internist und Hämato-Onkologe am LKH Leoben, beantwortet häufige Fragen rund um die Themen Risikofaktoren, Vorsorgeuntersuchung, Symptome, Therapien u.v.m.

 

Prof. Bauernhofer – Kurzportrait

 

Welche Risikofaktoren gibt es an Darmkrebs zu erkranken?

Westlich orientierte, balaststoffarme Ernährung mit hohem Anteil von gesättigten Fettsäuren und rotem Fleisch sowie Wurstwaren, Übergewicht, Bewegungsmangel, Vitamin D3 Mangel, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und Polypen in der Vorgeschichte.

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In meiner Familie gibt es Darmkrebs - ist Darmkrebs vererbbar?

Ja, selten (bei ca. 5% aller Darmkrebserkrankten). Einerseits das hereditäre  Non-Polyposis Colon Cancer Syndrom (HNPCC), oder familiäre Adenomatosis Poliposis Coli Syndrom (FAP) und andere seltene familiäre Tumorsyndrome.

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In welchem Alter tritt Darmkrebs auf?

Im Mittel mit 65 Jahren.

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Welche Symptome gibt es für Darmkrebs?

Darmkrebs ist oft lange symptomarm. Blutauflagerungen auf dem Stuhlgang, durch den Blutverlust bedingte Anämie, Bleistiftstühle bei tiefsitzenden Tumoren, Wechsel von Verstopfung und Durchfall, im Extremfall Darmverschluss.

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Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es – wann sollte mit der Vorsorge begonnen werden – wo werden diese Untersuchungen angeboten?

Die Darmspiegelung (Colonoskopie ist der Goldstandard). Angeboten werden auch Stuhltests auf verstecktes Blut (z.B.Hämoccult-Untersuchung 3x hintereinander durchgeführt) als grobe Orientierung, die jedoch falsch negative bzw. falsch positive Ergebnisse bringen können. In Österreich werden Vorsorgecolonoskopien ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Diese werden von niedergelassen Internisten bzw. in gastro-enterologischen Abteilungen angeboten. Sollten in der Familie Blutverwandte ersten Grades schon mit 50 oder in jüngeren Jahren von Dickdarmkrebs betroffen gewesen sein, sollte den Angehörigen 10 Jahre vor dem Auftreten des Dickdarmkrebs des am Jüngsten betroffenen Angehörigen, eine entsprechende Vorsorgeuntersuchung angeboten werden.

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Wie wird Darmkrebs behandelt?

Im lokalisierten Stadium (auf die Darmwand beschränkte Tumore) ist die primäre Operation die wichtigste Maßnahme. Bei Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) kann bei Dickdarmwandüberschreitung vor der Operation eine präoperative Radiochemotherapie mit 5-FU oder Capazitabine angewendet werden, um den Tumor besser operabel zu machen. Im metastasierten Stadium ist die medikamentöse Therapie bestehend aus Chemotherapie (5-FU bzw. orale 5-FU Vorläufersubstanzen Capatitabine, Oxaliplatin oder Irinotecan-hältige Schemata) und neuerdings in Kombination zielgerichtete Substanzen (Anti-EGFR Antikörper Cetuximab und Panitumumab bei KRAS wild type Tumoren) oder tumorgefäßneubildung-hemmende Substanzen (Bevazicumab, Aflibercept) die wichtigste Behandlungsoption. Operationen und lokal ablative Verfahren (z.B. Radiofrequenzablation (RFA)) können in der interdisziplinären Therapie angewendet werden und bei Vorliegen von komplett operablen Metastasenlokalisationen auch zunehmend zu krankheitsfreiem Langzeitüberleben (Heilung) auch im metastasierten Stadium führen.

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Welche Untersuchungen werden bei der Diagnose Darmkrebs gemacht?

Neben der Dickdarmspiegelung zur Diagnosestellung und Gewebegewinnung werden MR bzw. CT-Bauch/Becken oder Ultraschall Oberbauch/Unterbauch zum Ausschluss von Lymphknoten oder Lebermetastasen und ein Thorax-Röntgen zum Ausschluss von Lungenmetastasen durchgeführt.

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Was versteht man unter Tumormarker?

Tumormarker sind Eiweißstoffe die vom Tumor vermehrt ins Blut abgegeben werden können. Bei Dickdarmkarzinom werden CEA (Carzinoembryonales Antigen) und CA 19-9 im Serum bestimmt. Leider handelt es sich bei diesen Eiweißstoffen um gewebstypische Marker, die auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein können. Auch sind sie im lokalisierten Stadium oft nicht nachweisbar und eignen sich nicht zur Screening Untersuchung. Im metastasierten Stadium können sie zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden - können allerdings Kontrolluntersuchungen mit bildgebenden Verfahren nicht ersetzen.

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Welchen Stellenwert hat die Chemotherapie bei Darmkrebs?

Nach der Operation eines Dickdarmkrebses kann bei erhöhten Risikofaktoren für einen Rückfall (in erster Linie regionäre Lymphknotenmetastasen die mit der Operation mitoperiert wurden) eine vorbeugende (adjuvante) Chemotherapie zur Abtötung außerhalb des Operationsgebietes möglicherweise vorliegenden Mikrometastasen eingesetzt werden. Anderseits können in bestimmten Situationen eine Chemotherapie vor der Operation (neoadjuvant) zur Verkleinerung des Tumors bzw. bei Vorliegen von operablen Fernmetastasen durchgeführt werden, um die Operabilität zu verbessern. Im metastasiertem Stadium mit Metastasenlokalisationen, die nicht operiert werden können, wird eine Chemotherapie (palliativ) zum Erreichen einer Tumorrückbildung und mit dem Ziel der Lebensverlängerung und Lebensqualitätsverbesserung eingesetzt.

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Was ist personalisierte Therapie?

Personalisierte Therapie versucht Tumorcharakteristika des individuellen Patienten in die Behandlungsplanung und zielgerichtetem Einsatz von Medikamenten heranzuziehen. Ein Beispiel für personalisierte Therapie ist die Analyse des K-RAS Mutationstatus im Tumor des jeweiligen Patienten. Bei K-RAS wild type können EGFR (Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor) zielgerichte Substanzen (Cetuximab, Panitumumab) zur Verbesserung der Chemotherapiewirkung bzw. als Monotherapie eingesetzt werden. Bei K-RAS mutierten Tumoren hat diese EGFR zielgerichtete Therapie keine Wirkung bzw. kann sogar schaden.

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Wie wird Chemotherapie verabreicht?

Chemotheapeutika können als Infusion in die Vene (intravenös) zum Teil auch mit Hilfe von Pumpensystemen, als Tablette (Capazitabine) oder Kapsel (Tegafur/Uracil) verabreicht werden.

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Was ist eine adjuvante / palliative Therapie?

Adjuvant heißt vorbeugend. Das Therapieziel ist die Gefahr eines Rückfalls nach kompletter Entfernung des Primärtumors und der regionären Lymphknoten zu verringern. Palliativ heißt lindernd. Das Therapieziel im Falle des Vorliegens von nicht operierbaren Fernmetastasen ist Tumorrückbildung, Verbesserung der Lebensqualität und Verlängerung des Überlebens.

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Welche Nebenwirkungen hat eine Chemotherapie?

Chemotherapien können Übelkeit und Brechreiz auslösen. Durch die vorbeugende Verabreichung von Mitteln gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika) vor Verabreichung der Chemotherapie sind diese Nebenwirkungen selten geworden. Bei Oxaliplatin kann in Verbindung mit Kälte auftretende Gefühlsstörung vorrübergehend entstehen, nach längerer Anwendung auch eine rückbildungsfähige Nervenstörung mit Taubheitsgefühl und Kribbeln (Neuropathie) auftreten. Bei Irinotecan ist Durchfall möglich. Bei Capazitabin eine Hand und Fuß Hautreaktion. Prinzipiell sind alle genannten Nebenwirkungen gut behandelbar. Heute ist unser Nebenwirkungsmanagement so gut, dass die Lebensqualität durch die Therapien nur wenig belastet wird.

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Welche Nebenwirkungen hat eine Antikörpertherapie?

Bei gefäßneubildungshemmenden Substanzen wie Bevazicumab oder Afliberzept sind Blutdruckerhöhungen häufiger, bei EGFR-zielgerichteten Substanzen wie Cetuximab und Panitumumab ist ein akneformer Hautauschlag und Durchfall eine mögliche Nebenwirkung. Auch diese Nebenwirkungen sind mit geeigneten Behandlungen gut verhinderbar bzw. zur Rückbildung zu bringen.

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