Psychoonkologie: Mag. Karin Isak

Bild von Mag. Karin IsakMag. Karin Isak, psychologische Leiterin der Beratungsstelle der Wiener Krebshilfe, beantwortet häufige Fragen zu Möglichkeiten der psychologischen Begleitung von Krebspatienten und deren  Angehörigen, Depression, Bewältigung von Angst und Einsamkeit, u.v.m.

Mag. Karin Isak – Kurzportrait

Frau Mag. Karin Isak ist klinische Psychologin, Psychoonkologin und seit 1999 in der Wiener Krebshilfe als psychologische Leiterin tätig. Davor arbeitete sie jahrelang im psychiatrischen Bereich mit den Schwerpunkten Angst- und Depressionsbehandlung.

Die Wiener Krebshilfe ist ein gemeinnütziger Verein und bietet Patientinnen/Angehörigen und Interessierten zu verschiedenen Zeitpunkten im Laufe einer Krebserkrankung eine breite Palette an Hilfestellungen an.

Kontakt: isak(at)krebshilfe-wien.at

 

Wohin bzw. an wen soll man sich wenden, wenn nach einer erfolgten Darmkrebsoperation Probleme beim Geschlechtsverkehr auftreten?

Krebs und Sexualität ist ein Doppel-Tabu. Obwohl Sexualität ein so großes Thema in dieser Zeit ist, wird kaum darüber gesprochen. Es dauert normalerweise eine gewisse Zeit bevor ein Patient wieder Kraft und Energie hat, sich für Sexualität zu interessieren, und das kann natürlich für die Partnerin/den Partner sehr unbefriedigend werden. Da wäre es schon sinnvoll gemeinsam zu einem Paar- oder Sexualtherapeuten zu gehen. Hier können Ängste, Hemmungen und Schwierigkeiten besprochen werden.

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Ist die psychologische Beratung bei der Wiener Krebshilfe kostenpflichtig? Wie oft muss man kommen? Braucht man eine Überweisung für die psychologische Beratung?

Alle Beratungsangebote sind kostenlos - sowohl das medizinische Gespräch als auch die sozial-rechtliche Auskunft und die psychologische Begleitung. Es ist keine Überweisung erforderlich. Man muss sich nur telefonisch für einen Termin anmelden. Die Wiener Krebshilfe ist ein gemeinnütziger Verein und lebt von Spendengeldern.

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Woran erkennt man, dass man im Rahmen einer Krebserkrankung psychologische Hilfe benötigt?

Nicht jeder Krebspatient muss psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Wenn allerdings der Leidensdruck zu groß wird, ist es sinnvoll, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Es können viele offene Fragen beantwortet werden und es kann viel Sicherheit geben in einer Zeit, wo Unsicherheit an der Tagesordnung ist.

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Wie gehen Jugendliche mit der Krebserkrankung von Mutter oder Vater um? Wie sollte man sich verhalten?

Jugendliche wehren ihre Angst und Hilflosigkeit sehr häufig mit Rückzug und Verweigerung ab. Sie haben meist große Angst um den Gesundheitszustand des erkrankten Elternteils, sind aber nicht in der Lage darüber zu reden. Denn gerade in diesem Alter ist es schwer, über Gefühle zu sprechen. Ein möglicher schulischer Leistungsabfall ist ein Ausdruck auf anderer Ebene. Eine Möglichkeit wäre, zu einem Familiengespräch in eine entsprechende Beratungsstelle zu gehen und sich Hilfe von einer Jugendtherapeutin zu holen, die Sie und/oder die Kinder unterstützt. Es wäre wichtig, den Klassenvorstand der Kinder in der Schule zu informieren, um so ein besseres Verständnis für die momentane psychische Situation zu bekommen. 

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Wann sollten Kinder über die Krebserkrankung eines Elternteils aufgeklärt werden?

Kinder spüren sehr genau und gut, wenn etwas in der Luft liegt. Sie merken z. B. dass viel heimlich telefoniert wird, dass eine gedrückte Stimmung vorherrscht, sie sehen auch dass sich der an Krebs erkrankte Elternteil verändert, z.B. Haarausfall durch eine Chemotherapie, Operationsnarben und auch Müdigkeit und Erschöpfung werden bald offensichtlich. Daher ist es wichtig, mit Kindern zu reden und sie in die neue Situation einzuweihen, denn sonst wird die Fantasie der Kinder zu groß, und übersteigt oft die Realität. Bei der Wiener Krebshilfe stehen zwei Kinder- und Jugendtherapeutinnen aus dem Projekt "Mama/Papa hat Krebs" gerne zu einem Beratungsgespräch zur Verfügung. Auch die Kinder können zur kostenlosen Beratung zu uns kommen. Außerdem schicken wir gerne die Broschüre "Mama/Papa hat Krebs" zu oder Sie laden Sie unter www.krebshilfe-wien.at herunter.

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Wie sieht eine psychologische Beratung bei Krebs aus und was kann man sich davon versprechen?

Es kann manchmal sehr wohltuend sein, mit einer "neutralen" Person von außen zu sprechen, die die persönliche Geschichte noch nicht kennt. Alle Gedanken und Gefühle, wie z. B. Aggression, Enttäuschung, Verzweiflung haben Platz und werden nicht gut oder schlecht geheißen. Wir bei der Wiener Krebshilfe erteilen keine Ratschläge, sondern begleiten Patienten und Angehörige, indem wir ihnen einfach manchmal nur zuhören. Wir vermitteln auch Entspannungs-Techniken und erarbeiten gemeinsam Strategien, die für den Alltag hilfreich sein können.

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Gibt es z. B. bei der Wiener Krebshilfe die Möglichkeit, dass auch Schmerzmittel verschrieben werden?

In der Krebshilfe arbeiten engagierte Ärzte/Innen aus Wiener Spitälern ehrenamtlich mit. Sie helfen den Patienten Befunde besser zu verstehen, und besprechen ausführlich die Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und die weitere Vorgangsweise. Medikamente werden bei uns im Beratungszentrum nicht verschrieben, es gibt allerdings Schmerzambulanzen in den Spitälern, wo Sie Hilfe bekommen können. Rufen Sie uns an (Tel. Nr. 0800 699 900, Mo-Do 09.00-13.00 Uhr), wir werden Ihnen die entsprechende Nummer weitergeben.

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Kann Krebs durch psychische Ursachen ausgelöst werden - z. B. wenn man "zuviel Sorgen und Ärger in sich hineinfrisst"?

Ich halte nichts von solchen Aussagen. Krebs ist eine Erkrankung, die mulitfaktoriell bedingt ist. Wir Psychoonkologinnen der österreichischen Krebshilfe distanzieren uns ganz klar von wissenschaftlich nicht gesichert begründeten psychischen Ursachenzuschreibungen von Krebsentstehung. Lassen Sie sich nicht von solchen Annahmen verunsichern, das führt nur zu Schuldgefühlen.

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Ist es empfehlenswert während einer Chemotherapie weiterhin arbeiten zu gehen?

Ob Sie während einer Therapie arbeiten gehen oder nicht, ist ganz individuell zu lösen. Manchen Patienten tut es sehr gut ihre Arbeit weiter zu führen, andere brauchen eine Auszeit um die Therapie zu verkraften. Wichtig ist es, sich nicht zu überfordern nur um den Anderen gerecht zu werden. Das kann zu einem Burn-Out-Syndrom führen. Auch mit wem über die Erkrankung gesprochen wird, bleibt jedem einzelnen überlassen. Es kann große Erleichterung bringen mit offenen Karten zu spielen und sich nicht zu verstecken, allerdings kann zu große Offenheit an falscher Stelle auch zum Bumerang werden. In der Wiener Krebshilfe gibt es ein eigenes Projekt "Krebs und Beruf", das sich mit allen Fragen rund um das Berufsleben beschäftigt. Zwei Sozialarbeiterinnen stehen für Fragen wie z.B. Kündigungsschutz, Berufsunfähigkeitspension etc. zur Verfügung. Auch Coaching zum Wiedereinstieg in das Berufsleben wird angeboten.

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Wie kann man mit der Angst bei einer Krebserkrankung umgehen?

Angst ist eine völlig normale Reaktion auf Krisen-Situationen. Es wäre ungewöhnlich, wenn Sie frei von Angst wären. Jede Kontroll-Untersuchung, jeder Blutbefund, jeder Arztbesuch ist mit Angst verbunden. Allerdings kann Angst ein Ausmaß erreichen, wo das Wohlbefinden extrem eingeschränkt ist. Wird die Angst zum steten Wegbegleiter, ist es sinnvoll, ärztliche und therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Viele Krebspatienten leiden unter Panikattacken, das sind sehr unangenehme und bedrohliche Entladungen von Spannungszuständen. In so einem Fall ist eine medikamentöse und therapeutische Unterstützung anzuraten. Psychiatrische und/oder psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen ist keine Schande, im Gegenteil, es zeigt von Selbstverantwortung sich Hilfe zu holen.

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Wie kann man helfen, wenn sich Krebspatienten immer mehr zurückziehen?

Krebs und Einsamkeit sind sehr oft miteindander verbunden und nach wie vor zwei Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Eine Krebserkrankung fordert das ganze Familiensystem, Rückzug erfolgt häufig aus Angst den anderen nicht belasten zu wollen. Einsamkeit entsteht häufig aus Sprachlosigkeit - ganz wichtig ist es im Gespräch zu bleiben. Oft helfen Kleinigkeiten wie z.B. ein Spaziergang, ein Ausflug, ein Besuch oder einfach nur gemeinsam zu lachen. Die Wiener Krebshilfe bietet Hilfe für Betroffene und Angehörige.

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Soll man gegen zunehmende depressive Verstimmung im Rahmen einer Krebserkrankung zum Psychiater gehen oder gibt es andere Stellen, die Medikamente dagegen verschreiben dürfen?

Kommen Sie zu uns in die Krebshilfe zu einem Beratungsgespräch. Bei einem ausführlichen Gespräch können wir Psychologinnen gut feststellen, ob es sich um Stimmungsschwankungen, die im Rahmen einer Krebserkrankung ganz normal sind, handelt oder ob bereits eine Depression vorhanden ist. Medikamente werden hier in der Wiener Krebshilfe nicht verschrieben - wir arbeiten eng mit Psychiatern und Neurologen zusammen, die gegebenenfalls eine antidepressive Einstellung vornehmen. Wichtige Voraussetzung für all diese Schritte ist, dass die betroffene Person damit einverstanden ist Hilfe aufzusuchen.

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