Vorsorgeuntersuchungen

Jährlich erkranken in Österreich etwa 5000 Menschen an Darmkrebs, das Auftreten bei Männern und Frauen ist relativ ausgeglichen.
Die langsame Entstehung des kolorektalen Karzinoms aus Vorstufen, wie dem gutartigen Darmpolyp, ist geeignet für eine entsprechende Früherkennung.
Dabei wird in Österreich im Rahmen der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung jährlich ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Okkultbluttest), sowie eine Rektaluntersuchung (siehe „Körperliche Untersuchung“ weiter unten) angeboten.
Diese beiden Untersuchungen sind beim Hausarzt möglich.
Weiters wird (spätestens) ab dem 50. Lebensjahr regelmäßig alle 5 Jahre eine Darmspiegelung (Koloskopie) von den Versicherungsträgern rückerstattet. Diese Darmspiegelung ist beim niedergelassenen Facharzt oder im Krankenhaus auf den Abteilungen für Innere Medizin/Gastroenterologie oder Chirurgie möglich.

Diese Vorsorgeuntersuchungen ersparen mitunter jahrelange Therapie und Einschränkung von Lebensqualität.

Im Fall von unklaren Beschwerden kann der Hausarzt den Patienten direkt und altersunabhängig jederzeit zu einer Darmspiegelung überweisen.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung wird neben dem Allgemeinbefinden ein rektaler Tastbefund erhoben, d.h. der Arzt tastet mit dem Finger den Mastdarm (letztes Stück des Dickdarms) aus – allein durch diese Methode können über die Hälfte aller Mastdarmtumore erkannt werden. Wichtig ist dabei, dass der Patient sich bei dieser Untersuchung so gut wie möglich entspannt.

Info

Circa die Hälfte aller Dickdarmkarzinome und etwa jeder fünfte Polyp führen zu Blutungen. Beim fäkal okkulten Bluttest kann Blut im Stuhl, das mit dem freien Auge nicht erkennbar ist, sichtbar gemacht werden. Diese Tests sind zwar nicht 100-prozentig verlässlich, können aber einen zusätzlichen Hinweis für die Entdeckung einer Darmerkrankung geben.
Okkultbluttests können auch in der Apotheke oder in Drogeriemärkten privat bezogen werden.
Sollte der Test positiv ausfallen, also den Verdacht ergeben, dass sich wirklich verborgenes Blut im Stuhl befindet, ist dies noch lange kein Nachweis von Darmkrebs. Gutartige Vorläufer (Darmpolypen), Hämorrhoiden oder harmlose Verletzungen der Afterschleimhaut könnten sich ebenfalls als Blutungsquelle herausstellen.
Sehr wichtig ist jedoch, dass Sie in diesem Fall eine genaue Untersuchung des Darmes (Darmspiegelung) durchführen lassen.

Während der Darmspiegelung wird vom After her ein Endoskop (weiches, biegsames Rohr) in den Darm eingeführt, mit dem die Darmschleimhaut auf Unregelmäßigkeiten hin untersucht wird.
Dank der Lichtquelle des Endoskops kann die Darmschleimhaut ausgeleuchtet und mit Lupenvergrößerung betrachtet werden. Während der gleichen Untersuchung kann auch verdächtiges Gewebe entnommen werden (Biopsie). Dieses wird anschließend durch den zuständigen Experten (Histologe, Pathologe) im Mikroskop beurteilt. Darüberhinaus können auch während der Darmspiegelung Krebsvorstufen (Darmpolypen) abgetragen werden.

Es können Darmpolypen – und damit mögliche Vorläufer eines Dickdarmkrebses – identifiziert und sofort ohne großen Aufwand entfernt werden. Somit kann enstehender Krebs rechtzeitig erkannt werden, bevor er sich ausbreitet und lebensbedrohlich wird.

In den Köpfen der meisten Menschen ruft die Darmspiegelung unangenehme Vorstellungen hervor. Tatsächlich treten jedoch Nebenwirkungen, wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder das Durchstoßen (Perforation) der Darmschleimhaut sehr selten auf; natürlich können diese nicht ganz ausgeschlossen werden.

Die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) hat das Qualitätszertifikat „Sanfte Koloskopie“ für Darmkrebsvorsorge ins Leben gerufen.

Wird eine Darmspiegelung nach den Merkmalen der „Sanften Koloskopie“ durchgeführt, erhält der Patient unter anderem vor der Untersuchung ein sedierendes Medikament. Dadurch verspürt er während der Untersuchung keine Schmerzen und kann sich danach in einer vorgesehenen Ruhe- bzw. Überwachungszone erholen.

Diese Vorsorgeuntersuchungen ersparen mitunter jahrelange Therapie und Einschränkung von Lebensqualität.

Meinung des Arztes
Univ. Prof. Dr. Gabriela Kornek

Ärztliche Direktorin des AKH Wien.
Foto: CCC/Fotografie Sabine Gruber

In der Regel werden nur Proben von Organen entnommen die befallen sind oder wo Tumore in der Computertomographie festgestellt worden sind. Es kann jedoch sein, dass möglicherweise eine andere Erkrankung als Darmkrebs vermutet wird, was ohne vorliegende Befunde jedoch nicht genauer beurteilt werden kann.

In einer solchen Situation ist eine Vorsorgeuntersuchung mit Darmspiegelung sicher empfehlenswert. Bestenfalls sollte man 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des erkrankten Angehörigen oder nicht später als im 50. Lebensjahr die erste Darmspiegelung machen.

Wenn Blutbeimengungen im Stuhl auftreten, sollte dem immer nachgegangen werden.  Die Angst vor einer Darmspiegelung ist nicht begründet. Man kann über die Krebshilfe bzw. über Magen-Darm-Spezialisten eine Liste anfordern, in der die Spezialisten für die sanfte Kolosopie angeführt sind.

Frau Univ. Prof. Dr. Gabriela Kornek spricht im aktuellen Interview über die Möglichkeiten der Darmkrebs-Vorsorge und im Speziellen über die Koloskopie. Sie erfahren Einzelheiten zur Untersuchung und lernen den diagnostischen und therapeutischen Nutzen der Koloskopie kennen – zu Ihrer persönlichen Vorsorge.

Meinung des Arztes
Univ. Prof. Dr. Monika Ferlitsch

Klinische Abteilung. f. Gastroenterologie und Hepatologie

Universitätsklinik für Innere Medizin III, AKH Wien

Frau Univ. Prof. Dr. Monika Ferlitsch spricht im aktuellen Interview ausführlich über „die sanfte Koloskopie“. Sie erfahren, was „sanft“ in diesem Zusammenhang bedeutet, weiters warum die Vorsorge-Koloskopie so besonders wichtig ist, wie sie im Detail abläuft, ab wann man sich einer Koloskopie unterziehen sollte und vieles mehr.

Was ist eine sanfte Koloskopie?
Wie läuft Sie ab?
Wo und wie findet Sie statt?

Im folgenden Interview zur „sanften Koloskopie“ erläutert Frau Univ. Prof. Dr. Monika Ferlitsch das Vorgehen, wenn bei der Koloskopie ein Polyp gefunden wird. Die diagnostische Vorsorge-Koloskopie wird durch die Abtragung des/der Polypen während der Koloskopie zur Therapie. Eine echte Vorbeugungs-Methode.

Was passiert, wenn etwas gefunden wird?